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ſelbſt als es Nacht wurde, nicht ſehen. Marcelle war am Fenſter und ſchaute ängſtlich nach den Vor⸗ übergehenden, welche in der Ferne die Straße her⸗ kamen, und glaubte jeden Augenblick Theodor zu erkennen. Ihre Unruhe war ſo lebhaft, ſo traurige Vorſtellungen drängten ſich ihrem Geiſte auf, daß ſie zu Caſcarel ſagte: „Es hat dieſen Nachmittag mehrmals eingeſchla
gen... Haben Sie nicht ſchon ſagen hören, daß
es gefährlich iſt, zur Zeit eines Sturms ſpazieren zu gehen?“
„Beruhigen Sie ſich,“ antwortete Caſcarel;„es 4 ſteht eine Einſiedelei auf jedem der drei hohen Berge,
welche die Stadt O... umgeben, und ſo viel iſt gewiß, daß der Blitz daſelbſt noch niemals eine menſchliche Kreatur erſchlagen hat; aber da der Re⸗ gen dort die Leute durchnäßt, wie überall ſonſt, ſo will ich ein gutes Feuer machen, um Herrn Theo⸗ dor's Kleider zu trocknen.“
Es war ſchon lange Nacht, als Theodor hein
kam. Marcelle, welche ihn erkannt hatte, ehe er auf der Schwelle des Hauſes angekommen war, eilte,
ihm die Thüre zu öffnen. 5
„Großer Gott im Himmel! was iſt Ihnen ge⸗ ſchehen?“ rief ſie, als ſie ihn ganz bleich und er⸗ ſchöpft mit verwirrten Haaren und mit Kleidern vom
Regen ſo durchnäßt, als wäre er eben über einen
Fluß geſchwommen, eintreten ſah. Er gab ihr keine Antwort, ſondern ſtieg die Treppe hinauf, indem er ſich mit der einen Hand auf ſie ſtützte, mit der andern an dem dicken Seil ſich hielt, welches ſtatt eines Geländers diente. Caſ⸗ 3


