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ſehen, was auf dem Hauptplatz vor ſich ginge, und Camilla blieb aufrecht mitten in der Gaſſe ſtehen, die Hände über ihrem ſchwarzen Mäntelchen gekreuzt, in der Haltung eines ſchönen Portraits von Velas⸗ quez. Wiewohl ihre Züge Etwas von der jugend⸗ lichen Zartheit verloren hatten, war ſie doch noch von großer Schönheit; ihre Taille, weniger ſchlank, hatte mehr Eleganz; eine noch mehr verführeriſche Anmuth hatte ſich über ihre ganze Perſon verbreitet. In dieſem Moment erhellte ein Wiederſchein von der Beleuchtung ihr reizendes Geſicht, auf beiden Seiten von blonden Haaren überwallt, welche aus einem kleinen, zurückgeworfenen Hut entſchlüpften, und auf Augenblicke bewirkte ein lebhafterer Schim⸗ mer, der ſie völlig traf, daß dieſe blendende Geſtalt auf dem dunkeln Grund der Straße ſich nur um ſo beſſer hervorhob.
Während Camilla unbeweglich hier ſtand und mit einer unbeſtimmten Neugierde ihre Augen um ſich warf, betrachteten zwei Männer ſie verſtohlen, der Eine von fern den Augenblick erſpähend, um ihr einen Brief von vier Seiten in die Hand ſchlü⸗ pfen zu laſſen, der Andere ſo nahe bei ihr, daß er ihre Worte hören konnte. Sie dachte wohl, daß Theodor da wäre, unter der Menge verborgen, aber ſie ahnte nicht, daß Onkel Cäſar, auf ſein Fenſter geſtützt, ſie durch die Sommerläden betrachtete.
Nach einer Viertelſtunde Wartens rief Tante Dorothee:
„Habe ich Euch nicht geſagt, wir würden den Abend hier zubringen? Zum Glück iſt es ſchön...


