Druckschrift 
Onkel Cäsar : Novelle / von Mme Charles Reybaud ; aus dem Französischen von Dr. C. Büchele
Entstehung
Einzelbild herunterladen

39

allein, Sie allein in der Welt, ſehen auf den Grund meiner Seele.“

Tante Dorothee ſammelte ſich einen Augenblick; dann nahm ſie die Hände von Madame Signoret in die ihrigen und ſprach zu ihr mit einer Miſchung von Sanftmuth und Autorität:

„Meine liebe Emmeline, die Zeit iſt gekommen, zu vergeſſen, was das Unglück Deines Lebens aus⸗ gemacht hat...“

„Ich kann es nicht, ich kann es nicht!“ fiel ſie mit erſtickter Stimme ein;„ich flehe Sie an, ſetzen Sie nicht ein Wort hinzu: Alles, was Sie mir ſagen könnten, habe ich mir ſelbſt tauſend Mal geſagt und vermochte nicht, den geheimen Schmerz, der mir am Herzen nagt, zu überwinden... Es gibt Dinge, welche ich nicht ohne Schauder hören kann; es gibt Namen, die mich beben machen.“

„Ich muß jedoch mit Ihnen von Cäſar Fauberton ſprechen,“ ſagte entſchloſſen Tante Dorothee.„Hören Sie mich, beruhigen Sie ſich um's Himmel willen: es handelt ſich um Camilla.“

„Um Camilla!“ wiederholte Madame Signoret erſtaunt.

„Hören Sie, was vorgeht,“ nahm die alte Jung⸗ frau wieder das Wort, indem ſie näher trat und mit halblauter Stimme ſprach:„Geſtern Abend, da ich eine freie Stunde hatte, habe ich Madame Hermance einen Beſuch gemacht. Ich fand ſie allein in der Ofenecke mit Marcelle, welche ihr Honig⸗Tiſane ein⸗ gab, denn die arme Frau hatte ſich Nachmittags Halsweh zugezogen, während ſie die Arbeiter beauf⸗ ſichtigte, welche bereits mit den Voranſtalten für den