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Onkel Cäsar : Novelle / von Mme Charles Reybaud ; aus dem Französischen von Dr. C. Büchele
Entstehung
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„Aus dem Grunde, weil Du keinen Rock haſt,“ antwortete Madame Signoret einfach.

Der Beamte blieb einen Augenblick beſtürzt vor dieſem gemeinen Hinderniß, dann antwortete er phi⸗ loſophiſchh

„Ich habe meinen Hochzeitrock, einen ſchwarzen noch ſehr ſaubern Frack und vom ſchönſten Tuche. Er iſt nicht mehr nach der Mode, ich gebe es zu; aber ich bin nicht mehr jung, und darum wird ſich natür⸗ lich Niemand wundern, daß ich einen alten Rock trage.“

„Es mag ſein, Du haſt Recht,“ erwiderte Ma⸗ dame Signoret mit einiger Lebhaftigkeit;„aber ich habe mein Hochzeitkleid nicht mehr.“

„Ein ſehr ſchönes ſeidenes Kleid, mit Bandgar⸗ nituren verziert,“ bemerkte der Municipalbeamte, in⸗ dem er mit Wohlgefallen auf dieſe Erinnerung zurück⸗ kam;„Du hatteſt auch einen Gürtel mit wallenden Enden und eine gleiche Schleife am Halskragen.“

„Ich habe ſchon lang allen dieſen Eitelkeiten entſagt,“ antwortete die arme Frau ſeufzend,„aber ich geſtehe, es würde mir peinlich ſein, mit meinem kaſtanienbraunen Merinokleid und floretſeidenen Chale auf den Ball zu gehen; und doch iſt dieß das Beſte, was ich für meine Toilette habe. Und das Fehlende zu kaufen, da weißt Du ſo gut als ich, daß daran nicht einmal zu denken iſt.“

Dieſe Bemerkungen waren von ſo augenſchein⸗ licher Richtigkeit, daß M. Signoret keine Antwort darauf gab; er begnügte ſich, die Hände in ſeinen leeren Taſchen zu bewegen, indem er die Augen zur Decke emporſchlug, gleich einem Manne, der ſich über Etwas beſinnt.

Reybaud, Onkel Cäſar. 3