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Onkel Cäsar : Novelle / von Mme Charles Reybaud ; aus dem Französischen von Dr. C. Büchele
Entstehung
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Welt, wo er lebte, zu bleiben, und erklärte bei ſeiner Einſetzungsrede, daß die Auszeichnung, der erſte Mu⸗ nicipalbeamte ſeiner Vaterſtadt zu ſein, ſeinem Ehr⸗ geize genügend wäre.

Das Hotel Fauberton, wie die Leute von OQ... emphatiſch zu ſagen pflegten, lag im Mittelpunkte der Stadt auf einem kleinen Platz, von dem es eine der Seiten bildete. Dieſes Gebäude war urſprüng⸗ lich ein ungeheures, viereckiges Haus von zwei Stock⸗ werken geweſen, mit einem rothen Ziegeldach gedeckt und ſauber mit Kalk angeſtrichen. Der Oberſt, der aus ſeinen italieniſchen Feldzügen gewiſſe Ideen von Kunſt mitgebracht hatte, unternahm es, dieſes große Wohngelaß, das in Wahrheit wie eine Mahlmühle ausſah, zu verſchönern. Nach ſeinem Befehl wurde die Fagade gelb bemalt, mit Einrahmungen, welche verſchiedene Marmorarten vorſtellten; er ließ grüne Sommerläden an alle Fenſter machen und die Ein⸗ gangsthüre vergrößern, deren zwei Flügel ſich hin⸗ fort aufthaten, ſo oft er ausfuhr. Das Veſtibule wurde mit Gypsſtatuen geſchmückt; Diana, die Jäge⸗ rin figurirte am Fuß der Treppe, und der Ruheplatz des erſten Stocks wurde von einem coloſſalen Her⸗ kules bewacht. Nach dem Tode des Oberſt vervoll⸗ ſtändigte ſein Erbe die Veränderungen und ließ von Paris Möbeln kommen, welche allgemeines Erſtaunen erregten. Der große Salon wurde als ein Wunder von Reichthum und Eleganz genannt. Die ganze Stadt O... wußte, daß der Kronleuchter zwölf⸗ hundert Franken koſtete, und die verwittweten Damen, welche an Balltagen acht bis neun Stunden nach einander an einer Stickerei arbeiteten, hatten hundert⸗