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Onkel Cäsar : Novelle / von Mme Charles Reybaud ; aus dem Französischen von Dr. C. Büchele
Entstehung
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Mittelmäßigkeit reich war, ihre Salons geöffnet und jedes Jahr mehre Bälle, wozu die ganze Stadt ein⸗ geladen wurde, gegeben hätte.

Eine vielleicht beiſpielloſe Sonderbarkeit knüpfte ſich an dieſe Familie, ſeit mehren Generationen eine Anzahl von Notariats⸗Inſtrumenten beſtätigte es hatten die Fauberton niemals Nachkommen⸗ ſchaft in gerader Linie gehabt, und es war immer ein Neffe, welcher nach Antritt der geſammten Erb⸗ ſchaft dieſe wieder, wenn die Reihe an ihn kam, auf einen Seitenverwandten ſeiner Wahl übertrug.

Im Jahr 1815 war der Oberſt Achille Fauber⸗ ton, der Stolz der Familie, zu ſeinem Herde mit Halbſold und ſiebzehn Wunden, die ihn beträchtlich entſtellt hatten, zurückgekehrt. Der würdige Mann war nicht ohne Beruf zur Che, jedoch klug genug, es wie ſeine Großoheime zu machen; er blieb Jung⸗ geſelle und rief ſeinen einzigen Neffen zu ſich, den er mit Ausſchluß aller übrigen Glieder der Familie zu ſeinem Erben einſetzte. 3

Cäſar Fauberton ſtand damals in einem Alter von achtundzwanzig Jahren; es war ein ſchöner Mann, ein ſuperber Reiter, wie die alten Bürger⸗ frauen von O.. ſagten; er hatte regelmäßige Züge, friſche, weiße Geſichtsfarbe, große, ſchwarze, hervor⸗ ſtehende Augen und die ſchönſten Zähne von der Welt. Seine moraliſchen Eigenſchaften entſprachen ſeinen phyſiſchen Vorzügen: er beſaß, wie er ſich deſſen ſelbſt rühmte, den Geiſt, welcher den Frauen gefällt; er war luſtig und aufgeweckt, galant, dienſtfertig, keck zu rechter Zeit, und von einer natürlichen Geckerei, welche ſich durch Nichts aus der Faſſung bringen ließ.