Druckschrift 
Onkel Cäsar : Novelle / von Mme Charles Reybaud ; aus dem Französischen von Dr. C. Büchele
Entstehung
Einzelbild herunterladen

I

Die kleine Stadt O... iſt eine jener exceptio⸗ nellen Oertlichkeiten, welche durch ihre geographiſche Lage verurtheilt ſind, ewig außerhalb des allgemei⸗ nen Fortſchritts zu bleiben. Die nächſte Eiſenbahn geht dreißig Meilen an dem ſehr hohen Plateau vor⸗ über, wo dieſelbe gelegen iſt, und mit den großen Bevölkerungs⸗Centren ſteht ſie nur durch einen ziem⸗ lich ſchlecht eingerichteten Poſtwagendienſt in Ver⸗ bindung. Auch haben ſich die alten Provincialge⸗ wohnheiten in dieſem Erdwinkel beſſer erhalten, als in irgend einem andern Theile Frankreichs; Jeder⸗ mann ſpeist daſelbſt um zwölf Uhr zu Mittage, wie unter dem alten Régime, und die Portchaiſen ſind noch nicht gänzlich aus der Mode..

Einige edle und durchaus nicht wohlhabende Häu⸗ ſer, eine große Anzahl bürgerlicher Familien und die ziemlich beſchränkte Gruppe von Regierungsbe⸗ amten bildeten vor einigen Jahren die gute Geſell⸗ ſchaft von O... Dieſe ehrlichen Leute hatten theils mäßige Beſoldungen, theils kleine Einkünfte, wovon ſie ganz genau lebten, ohne ſich jemals außer dem ſtreng Nothwendigen eine Ausgabe zu erlauben. Man würde nie zu O.. getanzt, nie bei Wachskerzen nach Mitternacht an einer Tafel von ſechszig Ge⸗ decken ſoupirt haben, wenn nicht eine bürgerliche Familie, die einzige, welche unter dieſer eſchrantten