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noch einmal einen Blick über das herrliche Land gewährte, das ſie verlaſſen mußten. Zwei rieſige Bruderthürme rag⸗ ten die blauen Kuppen des großen und kleinen Mileſchau aus der Kette des Mittelgebirges empor; mächtige Herrſcher des Landes, die Schulter mit dem nebelduftigen Wolken⸗ purpur umhüllt. Weithin breiteten ſich die geſegneten Flu⸗ ren aus, eben im vollen Schmuck der reifenden Saaten pran⸗ gend, die die Flüchtlinge ungeerntet zurücklaſſen mußten! Hinter ihnen lag die ſonnenbeglänzte Heimat, ein blühender Teppich der Fluren, der ſchönen Gebirge! Vor ihnen lag die verhüllte Zukunft! Schweres Gewölk zog über den Kamm des Erzgebirges herauf.
Lippach ging im Geſpräch mit Chlodzek und dem jugend⸗ lichen Benedetto; die beiden älteren Männer erfreuten ſich des jungen Gefährten und weihten ihn immer tiefer in die Lehre ihres Chriſtenthums ein, das ſich durch Benedetto's Ueber⸗ tritt ſo wunderbar bewährte, der es aufſuchte in dem Augen⸗ blick, wo es ſchien, als wolle Gottes Blitz es zertrümmern.
Stumm in ihrem Schmerz, doch lieblich im Reiz ihrer Jugend, wandelte Agathe; Volkmar neben ihr in treuer, warmer Hingebung. Sie Beide wanderten, die Einzigen unter allen dieſen, in ihre Heimat zurück. Wie ſchauer⸗ liche Erinnerungen hinter ihnen lagen, es glänzte ihnen ein lieblicher Schimmer der Hoffnung am fernen Horizont. Und, ſollte nicht, wie ſie nebeneinander hinwandelten, hier ein zar⸗ tes Samenkorn künftiger ſüßer Blüten in ihre Herzen fallen?
Schweigend ging Thereſe an Wolodna's Seite; ihr Knabe ſchlummerte; ſeiner unentfalteten Seele hüllte es der Him⸗ mel in gnadenvolles Dunkel, daß dieſe Stunde die ſeiner Verbannung war.
Doch Thereſe empfand es ſchwer. Oft blickte ihr dunk⸗ les Auge feucht zurück auf die Fluren, wo ſie die holdeſten


