Teil eines Werkes 
5. Band, 2. Abtheilung (1858)
Entstehung
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Vierunddreißigſtes Capitel.

Am ſanften Abhang des Gebirges erhob ſich ein ein⸗ ſames Grab mit grünem Raſen bedeckt, durch ein ſchwarzes Kreuz bezeichnet; es trug den NamenNechodom.

Thereſe und Wolodna knieten zunächſt dem Grab⸗ hügel. Ein Weniges hinter ihnen im Halbkreiſe die ihnen verbundenen Freunde, Agathe, Volkmar, der alte krie⸗ geriſche Holoduk mit ſeiner narbenbedeckten, kahlen Scheitel, der kraftſtrotzende Czernig; an der äußerſten Seite ein Jüngling mit bleichen Zügen, die weiße Stirn vom blon⸗ den Haar leicht umgeben. Es war Benedetto! Seine Seele hatte ſich losgerungen aus den Banden, in die ſie ge⸗ ſchlagen war. Das Martyrthum der Bekämpften hatte ihn beſiegt; er war, von neuer Wahrheit durchleuchtet, herüber⸗ getreten zu den Unterdrückten, bereit, ihr Los der Verban⸗ nung, des heimatloſen Durchirrens der Welt zu tragen. Hinter dieſen hatte ſich die ganze Schaar der Auswandern⸗ den verſammelt; es waren ihrer mehr als hundert, die das Vaterland jetzt verließen. Und Viele, Viele, denen es nicht ſo raſch gelungen war, alle Bande der Heimat zu löſen,

wollten ihnen nachfolgen.

Hinter dem Grabhügel zu beiden Seiten des kleinen Kreuzes ſtanden der würdige Pfarrer Chlodzek und Da⸗ vid Lippach, beide die Hände gefalten im ſtummen Gebet. Eben hatte Lippach die Worte geſchloſſen, die er an die Gemeinde gerichtet, welche er und Chlodzek nunmehr als treue Hüter auch in die Fremde geleiten wollten, um ſich in neuer Wohnſtätte mit ihnen niederzulaſſen.