darf. Ob ich in die Verbannung, ob ich ins Elend irre— ich muß es tragen! Zog doch das Volk Iſrael durch die Wogen des Meeres in die Wüſte, um ſeinen heiligen Tem⸗ pel zu bauen! Und der Herr beſchirmte es! Er wird auch mein Haupt beſchirmen, und das eure, wenn ihr ohne Hirten der Seele hier zurückbleibt.«Denn du biſt mein Hirty, ſingt der Pſalmiſt! Wendet eure Herzen nicht ab von Gott, ſo wird er ſein Auge nicht von euch wenden, ſeine Hand euch führen, ſeine Rechte euch halten.— Ich darf ſein Wort nicht mehr verkünden, ihr aber dürft es heilig bewahren in euren Herzen und ihm in reiner Treue anhängen!— So lebet denn wohl und gedenket meiner in eurem Gebet!“—
Da brach ihm die Stimme in Wehmuth und Thränen. Ein lautes Weinen und Schluchzen erhob ſich in der Ge⸗ meinde. Als er die letzte Stufe der Kanzel herabſtieg, um⸗ ringten ihn die Liebenden ſo dicht, daß ſie ihn faſt aus der Kirche trugen. Aus einer Umarmung ſank er in die an⸗ dere; ſie küßten ſeine Hände, er mußte wehren, daß ſie ihm nicht zu Füßen ſanken!——
Am nächſten Morgen war die Gaſſe ſo dicht mit Volk bedeckt, daß ſie für allen Verkehr der Fußgänger wie des Fuhrwerks geſperrt war. Nur ein einziger, ſchlicht länd⸗ licher Wagen, der Lippach und die Seinen hinwegführen
ſollte, hielt vor der Thür des Hauſes; die liebende Ge⸗
meinde hatte ihn mit Blumen und Kränzen geſchmückt!— Die Hausthür öffnete ſich. Lippach trat mit ſeiner treu hingegebenen Getrud und ſeinen beiden Kindern, einem Kna⸗ ben und einem Mädchen heraus.
Er vermochte kein Wort zu ſprechen; ſtumm ſank er nieder auf die Knie und erhob die Hände hinauf zu dem
Blau des Himmels; ſeine fließenden Thränen nur ſtrömten 8**


