Teil eines Werkes 
5. Band, 2. Abtheilung (1858)
Entstehung
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Man kann nicht wiſſen, welcher Art ſie ſind. Am beſten iſt's, wir kommen mit Niemand zuſammen!

Unter dieſen Worten waren ſie den Reitern raſch nachgeſchritten. Als ſie ſich dem Brückenthurm, der die Häupter von zwölf Märtyrern trug, näherten, überkam ſie ein kaltes Grauſen; zumal Thereſen! Die Empfindun⸗ gen, unter denen ſie durch den düſtren Bogen dieſer Thor⸗ wölbung ſchritt, als ſie Prag zum erſten males betrat, er⸗ wachten mit furchtbarer Verſtärkung in ihr. Sie erhob das Auge zu den aufgepflanzten Häuptern, doch wie durch eine fremde Gewalt erfaßt, ſchreckte ſie zurück; ihr Fuß zit⸗ terte, ihr Blick heftete ſich ſtarr auf den Boden. Agathe that daſſelbe aus weiblicher Scheu und Aengſtlichkeit. Selbſt Wolodna wandte das Auge ab. So ſchritten ſie unter der düſtren Pforte hindurch. Als ſie ſie hinter ſich hatten, trat aus dem dunklen Gewölk, das den ſüdlichen Himmel ſtromaufwärts der Moldau zerriſſen überdeckte, der Mond bleich hervor und warf ſein gebrochenes Bild in die Wellen.

Nein! Es muß ſein! rief es in Thereſen.Zittert auch der bleiche Mondſtrahl ſelbſt vor dieſem Bilde, mein Auge ſoll nicht ſcheu mehr abwärts blicken. Sie wandte ſich um und ſtand tief Athem ſchöpfend ſtill.Ha! rief ſie unwillkürlich, als ſie die Reihe der Häupter über ſich an dem grauen Gemäuer erblickte, die mit blutloſen Wangen und vom Wind verwehtem Haar vom Geiſterhauch des Mondenſchimmers umdämmert herabſtarrten.

Sie ſtand wie in Stein verwandelt. Kein Wort ver⸗ mochte ſich von ihrer Lippe zu löſen; kaum ein Gedanke lebte in ihrer Bruſt; nur ein dunkles Ahnen und Grauſen erfüllte ihre ganze Seele.

Agathe hüllte ſich dicht in ihre Gewänder und bebte; ſie vermochte nicht aufwärts zu blicken.

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