Teil eines Werkes 
5. Band, 2. Abtheilung (1858)
Entstehung
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Wolodna ergriff Thereſens Arm und drängte ſie mit dem leiſen Wort:Komm, komm, Thereſel weiter. Sie beharrte wie gebannt. Die Schritte der Nachkommenden und das dunkle Gemurmel ihrer Stimmen näherten ſich. Endlich raffte Thereſe ihre Kraft zuſammen; eben wollte ſie ſich wenden, um weiter zu gehen, als aus der finſtren Thor⸗ wölbung des Thurms ein gellender Schrei erſcholl und plötz⸗ lich, wie aus der Nacht geboren, eine Geſtalt mit wilden Sprüngen hervorſchoß und einem Wirbelwinde gleich, um ſich ſelbſt geriſſen, vorwärts taumelte.

Sie kommen! Sie kommen herunter! ſchrie das Un⸗ gethüm mit gräßlicher Stimme, und ſtürzte gerade auf The⸗ reſen zu.

Unwillkürlich zurückſchaudernd hielt ſie das Kind ſchützend an ihrer Bruſt und ſtand emporgerichtet, gleich einem Marien⸗ bilde da; der Luftſtrom ſchlug das Gewand von ihrem Haupte zurück, der Mond ſchien ihr hell ins Antlitz.

Das ungethüme Weſen ſtand wie eingewurzelt, heftete die ſtarren Blicke auf ihr Angeſicht, warf ſich dann zu⸗ ſammenbrechend auf beide Knien vor ihr nieder und rief: Heilige Mutter Gottes, erbarme dich meiner!

Es war Zaloska. Thereſe erkannte ihn. Sie erſchreckte nicht, ſie bebte nicht vor ihm; doch ſchauernde Verehrung ergriff ſie vor dem Gericht des Himmels, das ſich an dem Nichtswürdigen erfüllte! Der verglaſte Blick, das Zucken der Lippen, die ſchlotternden Glieder, die zuſammenklappen⸗ den Zähne ſprachen das furchtbare Urtheil aus, das Gott über ihn verhängt.

Gnade, Gnade, heilige Mutter Gottes, wimmerte er.

Thereſe ſtand vor ihm, der Himmliſchen gleich. Sie richtete einen Blick der Hoheit auf ihn; in ſich zurückſchauernd ſprach ſie das einzige Wort:Gerechtigkeit!