29
treppe zu den unterirdiſchen Räumen hinabführte. Die enge eiſenbeſchlagene Thür wurde aufgeſchloſſen; ſie öffnete ein niederes Gewölbe; es war ganz finſter, nur die Lampe der Schließerin beleuchtete es. Borbonius ſchauerte vor der eiſigen Luft, die ihm entgegenwehte und faſt die Flamme verlöſchte. Der Raum war ſo eng, daß die Wände kaum die Länge für eine Lagerſtätte hatten. Ein kleines dicht vergittertes Fenſter in der obern Ecke ließ vermuthen, daß der Kerker am Tage wenig heller ſei als bei Nacht.
„Welch ein Aufenthalt!“ rief Borbonius.„Es iſt er⸗ barmungslos!“
„Es iſt die Zelle für alle zur Gefängnißſtrafe verur⸗ theilten Schweſtern des Kloſters“, ſagte die Schließerin, ſelbſt ſchauernd.„Unſer Kloſtergeſetz iſt ſehr ſtreng!“
Auf einer Schütte Stroh, an der Seitenwand zur Lin⸗ ken, lag, in ſich zuſamm ii auen, wol⸗ lenen Decke dürftig eingehü weibliche
„Ach!“ preßte ſich ein leiſer Seufzer aus ihrer Bruſt;
ſie zuckte zuſammen und ſtarrten den Eintretenden aus ungen angſtvoll forſchend entge 1
„Ihr holt mich ſchon?“ ſtammelte die Unglückliche und
faltete verzweifelnd die zitternden Hände..
Borbonius behielt kaum ſeine Faſſung.„Fürchte nichts, du armes Kind“, ſagte er mit dem ſanfteſten Laut, indem er an ihr Lager trat.„Wir wollen dich aus dieſem ſchauer⸗ lichen Ort erlöſen.“
„Zur Marterbank!“ rief die Elende halt beſinnungslos. „Ach Erbarmen, Erbarmen!“
„Nein, nein“, ſagte Borbonius milde und reichte ihr die Hand;„du haſt jetzt nichts zu fürchten, mein armes, krankes Kind!“


