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„Unterſiegelt es ſelbſt!“ ſagte er mit einem Blick auf den Schreibtiſch.
Borbonius that es. Dann trat er wieder zu dem Kran⸗ ken, faßte ſeinen Puls nochmals, richtete einige ärztliche Fra⸗ gen an ihn und ſagte: 8
„Ich kann Ew. Durchlaucht jetzt nichts verordnen, als die Tropfen, die ich heut morgen verſchrieben, fortzubrau⸗ chen, aber zehn ſtatt ſechs, und anhaltend den Genuß küh⸗ ler Getränke. Vor Mitternacht beſuche ich Ew. Durchlaucht noch einmal.“
Der Fürſt nickte fiumm. Borbonius ging und ſandte ihm den Kammerdiener hinein.
Im Nebenzimmer ſaß Martiniz noch.
„Mein lieber Borbonius“, redete dieſer ihn an, als er grüßend vorübergehen wollte,„ich muß Euch auf ein ein⸗ ziges Wort ſprechen.“
„So eilig als möglich, bitte ich Ew. Gnaden, denn mich ruft die dringendſte Pflicht!“
„Nun denn, ohne Umſchweife! Ihr waret einſt mein Arzt. Ihr ſollt es auch fortan ſein. Ich habe Euch ſehr lieb gehabt. Wir Alle lieben und ehren Euch. Ihr ſeht, was jetzt für Euch geſchieht. Nun aber thut auch etwas für uns!“
„Und was?“
„Bekehrt Euch zum wahren Glauben!“
„Wie?“ rief Borbonius ſtaunend.
Martiniz fuhr eifrig fort:„O mein lieber Borbonius, wie herrlich könntet Ihr die gute Sache der katholiſchen Kirche und ſo vieler Seelen Heil durch Euer Beiſpiel be⸗ fördern!“*)
*) Hiſtoriſch.


