Teil eines Werkes 
5. Band, 2. Abtheilung (1858)
Entstehung
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unterbrach ihn Liechtenſtein in größter Unruhe.Ihr könntet ihr die Freilaſſung verordnen wollen.

Ich hätte es unbedingt gethan, antwortete Borbonius feſt,doch ich fürchte es iſt zu ſpät! ſetzte er ernſt hinzu.Der Schluß des Blattes lautet:«Er darf ihr Jeder⸗ mann zuführen, ohne alle Ausnahme, der ſie an ihrem Krankenlager noch zu ſprechen begehrt.

Doctor! rief der Fürſt, in einem Tone, als werde ihm das Unerhörteſte angeſonnen.Ihr tödtet mich! Fühlt, wie mein Fieber ſteigt! Er hielt ihm die Hand hin.

Borbonius trat einen Schritt zurück.So wahr ich auf meines Heilands Hülfe in der Todesſtunde hoffe, ſagte er,ich berühre keinen Puls, ich verordne keine Arz⸗ nei, bevor dieſes Blatt nicht durch Ew. Durchlaucht be⸗ ſtätigt iſt!

Der Fürſt vermochte nicht zu ſprechen.

Ich betheure nochmals, daß ich kein beruhigenderes Arzneimittel für Ew. Durchlaucht ſelbſt habe. Ich weiß, was meine Nächte im Gefängniß ruhig gemacht hat, ſprach er nach oben blickend.

Ich ich darf' nicht verantworten, erwiderte der Fürſt ſtockend,die Unterſuchung....

O Durchlaucht, für dieſe iſt nichts zu fürchten! Es werden nur noch Worte des Herzens ich fürchte, nur noch Abſchiedsworte geſprochen werden, ſetzte er erſchüt⸗ tert hinzu.

Wenn Ihr mich deſſen verſichern wollt ſo ſei es! ſagte der Fürſt erſchöpft.

Borbonius reichte ihm das Blatt und eine Feder. Er unterzeichnete.

Rellſtab, Drei Jahre. V. 2. 2

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