Teil eines Werkes 
5. Band, 2. Abtheilung (1858)
Entstehung
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eben aus einem fürchterlichen Verhör in ihre Gefängnißzelle zurückgeführt wurde. Sie ſank, von ihren Kräften verlaſſen, zwiſchen den beiden Kloſterſchweſtern, die ſie geleiteten, in die Knie. Ich half ſie aufrichten, wollte ihr Hülfe leiſten. Es wurde mir unterſagt!

Der Fürſt hatte ſchweigend zugehört. War es die Pein der eignen Krankheit und ſeine Beſorgniß, daß ſie eine gefährliche Wendung nehmen könnte, war es die Anklage des Bewußtſeins, war es vielleicht ein auftauchendes menſch⸗ liches Gefühl der Theilnahme allein er zitterte heftig und ein kalter Schweiß trat auf ſeine Stirn.

Borbonius harrte auf ein Wort von ihm. Endlich fragte der Fürſt mit Anſtrengung:Ihr wollt der Ge⸗ fangenen ärztlichen Beiſtand leiſten?

Ich verlange mehr. Ich verlange, was dieſes Blatt beſagt! ſprach Borbonius zwar im Tone der Bitte, aber unerſchütterlich feſt. Er nahm dabei das Blatt, das er geſchrieben hatte, vom Tiſche.

Wie? Das Recept für mich? fragte der Fürſt verwundert.

Es wird dasjenige ſein, antwortete Borbonius mit höchſtem Ernſt,was Ew. Durchlaucht die erquickendſte Nachtruhe verſchafft. Ich verſchreibe kein anderes mehr, weder der Frau Aebtiſſin noch Ew. Durchlaucht ſelbſt, wenn ich dieſes nicht ausführen darf. Geſtatten Ew. Durchlaucht, daß ich es vorleſe:

«Dem Doctor Mathias Borbonius iſt unbe⸗ ſchränkte Vollmacht gegeben für die im Urſulinerinnen⸗ kloſter gefangene, ſchwer kranke Tochter des Raths Rip⸗ pell zu verordnen, was ihm irgend heilſam dünkt! Er darf....»

Mein Gott! Was habt Ihr dabei im Hinterhalt,