Teil eines Werkes 
5. Band, 2. Abtheilung (1858)
Entstehung
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Der Kranke ſproch dieſe Worte gebrochen, mühſam und

athmete ſehr ſchwer.

Wenn Ew. Durchlaucht es geſtattet, werde ich einmal zu dem Arzt recht eindringlich reden, ſagte Martiniz.

Der Fürſt, zu matt zum Sprechen, winkte nur durch ein leiſes Nicken.

Borbonius trat ein. Der Ernſt der letzten Jahre hatte ihn zwar ſchwer belaſtet, doch ſein ehrwürdiges An⸗ ſehen noch erhöht. Sechzig Jahre hatten ſein Haar ge⸗ bleicht, doch ſein Auge war hell, ſeine Stirn hoch, offen. Trotz der Schickung, die ihn getroffen hatte, war er, ſeiner völligen Schuldloſigkeit bewußt, muthigen Sinnes geblieben. Er grüßte Martiniz ernſt, aber ſchweigend, und trat an das Krankenbett.Wie iſt Ew. Durchlaucht Befinden? fragte er, indem er den Puls faßte.

Recht übel!

Hm! Ich glaub' es! Das Fieber hat ſehr zuge⸗ nommen!

Er hielt die Hand des Kranken längere Zeit und ſchwieg. Der Fürſt wurde beſorgt und fragte.

Meint Ihr, Doctor, daß meine Krankheit eine bedenk⸗ liche Wendung nimmt?

Wir wollen ſie zu verhüten trachten. Ew. Durch⸗ laucht haben ſchon verwichene Nacht ſehr unruhig zugebracht; ich will zu bewirken ſuchen, daß dieſe ruhiger werde!

Er ſprach die letzten Worte mit einem eigenthümlichen Ausdruck und ſetzte ſich dann nieder, um ein Recept auf⸗ zuſchreiben.

Kann ich mich auf den Apotheker verlaſſen? fragte der Fürſt mit Unruhe.

Ja! ſagte Borbonius feſt und ernſt.Wie auf mich ſelbſt! In ſeiner Haltung lag etwas, was den