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ließen, da er ſchon als Leibarzt ſeiner Oehme, der ſelig entſchlafenen Kaiſer Rudolf und Mathias fungirt und ſie öfters aus gefährlichen Krankheiten errettet hat.“ „Allerdings!“ pflichtete Martiniz bei.„Wenn man ihn nur bewegen könnte, von ſeinem Irrglauben zu laſſen! Er würde ein hervorragendes Beiſpiel ſein zur Verherr⸗ lichung der heiligen Kirche!— Sind Ew. Durchlaucht nicht
der gleichen Anſicht!“
„Gewiß, gewiß!“ antwortete der Fürſt und lehnte ſich in die Kiſſen zurück.
„Und dieſer Mann iſt uns unentbehrlich durch ſeine außerordentliche Wiſſenſchaft! Er hat auch in meinem Hauſe Hülfe geſchafft, wo Alles verloren ſchien. Es iſt aber jetzt faſt unmöglich, ihn zum Arzt zu wählen, es ſei denn, daß wir ihn vermöchten zum wahren apoſtoliſchen Glauben über⸗ zutreten! Und jetzt wäre denn wol der günſtigſte Augen⸗ blick, wo zumal Ew. Durchlaucht, unter dem drohenden Schrecken, der über ſeinem Haupte ſchwebt, Dero Einfluß auf ihn üben könnten!“
Der Kranke ſchwieg, wie es ſchien, aus Ermattung.
„Es ſcheint, daß Ew. Durchlaucht Unwohlſein zunimmt?“ fragte Martiniz mit dem Tone der Theilnahme.
„Ja wohl——— es iſt mir recht übel geworden!— Ich wäre jetzt zu ſchwach, um auf Borbonius einzureden.— Ich wünſchte, er käme bald!“
„Könnten Ew. Durchlaucht ihn nicht ſofort aus dem Gefängniß herbeiholen laſſen?“
„Er iſt nicht dort.— Ich habe ihn ſelbſt beauftragt, die Aebtiſſin des Kloſters Sanct⸗Urſula zu beſuchen, die ſehr ſchwer daniederliegÄt. Er war vor ſeiner Gefangenſchaft auch ihr Arzt.— Da glaube ich ihn zu hören!— Gott ſei Dank!“


