Teil eines Werkes 
5. Band, 2. Abtheilung (1858)
Entstehung
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Er iſt zuverläſſig der gelehrteſte und erfahrenſte von allen unſeren Aerzten hier in Prag. Er war ſtets auch mein Arzt. Um ihn iſt es wahrlich Schade, daß er zu der ketze⸗ riſchen und aufrühreriſchen Partei gehört!

Nun, erwiderte der Fürſt,er iſt zwar leider ein eigenſinniger Anhänger der Irrlehren, allein was die Re⸗ bellion anlangt, ſo hat er doch, wie ich mich aus allen

Berichten überzeugt habe, nicht mehr Antheil daran wie⸗

alle ſeine Glaubensgenoſſen.

Oder Unglaubensgenoſſen ſollte man eher ſagen, er⸗ widerte Martiniz.Sonſt alſo wäre er nicht ſo ſtrafbar? Er iſt doch ſchwerer Vergehen angeſchuldigt!

Man darf nur dergleichen nicht verlautbaren laſſen, antwortete der Fürſt,allein die Sachen ſtehen wirklich an⸗ ders. Der Rath Schreppelius, der die ſchwerſten An⸗ ſchuldigungen wider ihn erhoben hat, ſcheint die Dinge ſehr übertrieben oder gefälſcht zu haben, weil er ein etwas zu heftiges Begehr nach einem Eigenthum des Doctors hat. Sein ſchönes Haus auf der Altſtadt möchte er gar gern als Antheil von den mit Beſchlag belegten Gütern er⸗ halten.*)

So? wiegte Martiniz mit gezogenem Ton den Kopf. Es ſoll mir lieb ſein, wenn gegen den Borbonius nichts Erſchwerendes vorliegt. Allein er ſteht auf dem Verzeichniß Derer, die dem Beil verfallen!

Ich habe im Geheim ſchon die Zuſicherung der kaiſer⸗ lichen Gnade für ihn, antwortete der Fürſt mit merklicher Anſtrengung. Das Sprechen ſchien ihn ſehr zu ermüden.

Es ging auch nicht wohl an, fuhr er nach einigen tiefen Athemzügen fort,daß Se. Majeſtät ihn unpardonirt

*) Hiſtoriſch.

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