Teil eines Werkes 
5. Band, 2. Abtheilung (1858)
Entstehung
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Hofft Ihr vom Eifer des Grafen Thurn gar nichts, mein General? fragte Xaver, als Mansfeld's Auge for⸗ ſchend auf ihm ruhte.

Gerad heraus geſagt, jetzt nichts! antwortete Mans⸗ feld.Bethlen Gabor iſt uns zu fern; ſelbſt ein Sieg dort fruchtet uns hier zu wenig und zu ſpät. Ueberdies ich habe ihm nie getraut; geht's ihm glücklich, ſo ergreift er den näch⸗ ſten Vortheil, ſchließt einen guten Frieden und kümmert ſich den Teufel um uns. Und dann.. er hielt einen Augen⸗ blick inneſoll ich dir's ehrlich ſagen? Ich vertraue auch auf Thurn nicht. Er iſt nicht mehr der Mann, der hier hel⸗ fen kann. Glaub' mir, mein Jung, er iſt ein guter Feld⸗ herr im Glück, ſolange er volles Vertrauen zu ſeiner eignen Sache und Macht hat... fürs Unglück iſt er nicht zäh genug!

Es hat ihn freilich allzu ſchwer getroffen! erwiderte Xaver.

Das iſt's! fiel Mansfeld ein,er iſt entzwei, zer⸗ malmt! Er würde fechten, weil er ein Mann von Ehre iſt, doch ohne Hoffnung! Und ein Soldat, der die Fahne der Hoffnung geſenkt hat, der läßt nimmermehr die des Sieges flattern. Er glaubt nicht mehr an den Sieg, darum ſieht er ihn nicht mehr, und wenn er ihm vor den Füßen läge. Ich glaube noch ein wenig daran, ſagte er, ſich ſtolz aufrichtend, und ſchlug an ſeinen Degen,darum, denke ich, ihn noch auf neuer Bahn aufzuſuchen!

Xaver blickte traurig vor ſich hin. Er fühlte es, Mans⸗ feld's klarer Blick ſah richtig: Thurn iſt zu ſchwer geſchla⸗ gen, er richtet ſich nicht friſch wieder auf... doch er mochte ſich's nicht eingeſtehen.

Ich will dir nicht wehe thun, mein Jung, fuhr Mans⸗ feld fort,denn ich weiß, daß dir Thurn wie dein Vater iſt; und mir iſt er wie mein Bruder!