Teil eines Werkes 
5. Band, 2. Abtheilung (1858)
Entstehung
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verwundern, aber einſehen, daß es ſo ſein muß! Er blieb nachdenkend ſtehen und fuhr dann ungeduldig fort: Jetzt iſt es neun! Jetzt müßten ſie doch hier ſein!

Er hatte das Wort noch nicht zu Ende gedacht, als Andreas die Thür öffnete und Hayd und Xaver eintraten.

Guten Morgen, mein Jung, redete er dieſen an, den er im vertrauten Geſpräch ſtets ſo nannte;guten Morgen, hochgelahrter Obriſtwachtmeiſter! ſagte er zu Hayd, und ſchüttelte Beiden die Hände.Setzt euch! Er ſetzte ſich ſelbſt und zog zwei Stühle rechts und links heran.Ich habe euch rufen laſſen, begann er, nachdem ſie Platz ge⸗ nommen,um euch mit meinem nächſten Plane bekannt zu machen. Das Neſt Pilſen wird mir zu eng, hier kann ich die Flügel nicht regen; überhaupt iſt Böhmen wie ein Käfig für uns geworden! Kurz und gut, hier kann unſeres Bleibens nicht länger ſein. Jede Hoffnung, daß wir hier zulängliche Unterſtützung fänden, jetzt, wo der Krieg mit dem Frühjahr wieder angehen muß, iſt vergebens. In Böhmen iſt der letzte Funke erloſchen; es liegt in Aſche!

Ein trauriger Blick Xaver's ſagte ein ſtummes Ja zu dieſen Worten.

Tilly iſt in Prag nicht mehr nöthig! hub Mansfeld nach einigem Beſinnen wieder an;er möchte ſelbſt gern fort, denn was dort geſchieht, iſt nicht ſein Werk und ſein Behagen. Ich habe ſichre Nachricht, daß er gegen uns aufbrechen wird. Von drunten her, von Paſſau über Bud⸗ weis rücken neue Mannſchaften an. Wir ſind nicht ſtark genug, hier Widerſtand zu leiſten und ihnen dort den Weg zu verlegen; ſie könnten uns alſo, wenn ſie ſich weſtlich wendeten, leicht hier abſchneiden. Ihr ſeht, ich müßte über kurz oder lang Böhmen gezwungen räumen! Beſſer, ich thue es freiwillig früher.