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Elftes Capitel.
In einem düſtren Gefängnißgewölbe ſaß bei trübem Lampenſchimmer ein Mann mit bleichen, abgehärmten Wan⸗ gen und ſpärlichem weißen Haar am Tiſche und las. Er hielt die Hände vor der Bruſt gefalten und ſchaute öfters leiſe ſeufzend von dem Buche zum Himmel auf. Der Blick des matten Auges war von unbeſchreiblicher Güte und from⸗ mer Ergebung. Es war Rippell, der edle, ſanfte, tief⸗ gebeugte Dulder, der Stärkung und Troſt für ſein zu⸗ ſammenbrechendes Herz in der Heiligen Schrift ſuchte. Noch nicht lange war er im Beſitz dieſes Schatzes. Erſt auf vieles Bitten war ihm dieſer Troſt gewährt worden in der Hoffnung, daß er vielleicht dadurch nachgiebigeren Sinnes in Betreff ſeiner Ausſagen gemacht würde, da bisher Alles vergeblich geweſen war, ihn zum Bruch ſeiner Pflicht zu bewegen.
Er las im Buche Hiob. Und wo ein Spruch ihm das Herz erhob und erquickte, wiederholte er ihn mit halblauter Stimme vor ſich hin. 3
„Daſelbſt müſſen doch aufhören die Gottloſen mit To⸗ ben; daſelbſt ruhen doch, die viele Mühe gehabt!— Da haben doch miteinander Frieden die Gefangenen und hören nicht die Stimmen des Drängers!“
Mit einem Blick frommer Hoffnung ſchaute er nach oben! Still geſammelt las er weiter:
„Siehe, ſelig iſt der Menſch, den Gott ſtrafet; darum weigere vich der Züchtigung des Allmächtigen nicht.“


