Scheidet ſie nicht der Tod“, fügte ſie mit einem Blick auf das Bett der Kranken hinzu,„ſo ſcheidet ſie das Schickſal! Es iſt ebenſo unerbittlich.“
Sie brach in heiße Thränen aus und barg ihr wei⸗ nendes Antlitz an der Bruſt des Sohnes.
Er wehrte ſich vergebens mit ſeinem jugendlichen Hoff⸗ nungsmuth gegen die Wahrheit der mütterlichen Worte! Ungläubig gegen ſich ſelbſt verſuchte er es indeß die Mutter zu tröſten.„Gib nicht jede Hoffnung auf, liebſte Mutter“, ſagte er, ſie ſanft umfaſſend.„Das Glück des Kampfes kann künftig wechſeln, wie es jetzt gewechſelt hat. War vor Jahr und Tag Kaiſer Ferdinand nicht in ſo bedrängter Lage als wir jetzt? Wer weiß wie es über Jahr und Tag ſteht! Auch der Vater gibt die Hoffnung nicht auf. Der Verzagte ſtellt ſein Schickſal nie wieder her, der Muthige gibt es nie verloren», ſagte er mir noch beim Abſchied. Wir gehen nach Ungarn. Sein Brief wird dir das Ge⸗ nauere ſagen.— Gewiß, meine theure Mutter, wir ſehen noch glückliche Tage!“
Ungläubig ſchüttelte Eliſabeth das Haupt.— Die Vor⸗ hänge des Ruhebettes bewegten ſich. Sie trat leiſe darauf zu und ſchlug ſie zurück.
Thekla ſaß aufrecht; die Flechten ihres Haares hingen ihr gelöſt herab; ſie ſah die Mutter ſtumm, mit einem lei⸗ ſen Lächeln an..
„Wie iſt dir?“ fragte dieſe und gab ihr die Hand.
„Sehr wohl und glücklich“, antwortete die Kranke, lehnte den Kopf an das Herz der Mutter und ließ ſich von ihrem Arm umſchließen. Den Bruder hatte ſie noch nicht geſehen. Er trat näher.„Dein Bruder iſt gekommen“, ſagte Eli⸗ ſabeth mit bewegter Stimme.
„Iſt er lange fort geweſen?“ fragte ſie irr.


