Teil eines Werkes 
5. Band, 1. Abtheilung (1858)
Entstehung
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Thekla, erkennſt du mich denn nicht? redete Heinrich ſie ſanft an und faßte ihre Hand. Sie ließ ſie ihm ſtill. Wir haben uns ſo lange nicht geſehen, ſagte er mit mühſam bekämpften Thränen.

Nicht doch! erwiderte ſie freundlich,wir ſind ja zuſammengegangen!

Jetzt zerriß die ſchwere Wolke des Schmerzes in des Jünglings Bruſt, und ergoß ſich in heißen Tropfen. Er mußte ſich abwenden. Nun empfand er die furchtbare Wahr⸗ heit in den Worden der Mutter:Wir ſind ſo unglücklich jetzt, daß ſelbſt die glücklichſten Ereigniſſe uns zu ſchmerz⸗ lichen werden! Er konnte ihr nicht von dem Geliebten ſprechen. Leiſe ließ er ihre Hand, wandte ſich ab, und weinte bitterlich im Stillen.

Thekla ſelbſt aber wandte ſich wieder zum Bruder und fragte:Warum biſt du allein gekommen? Ihr rittet ja ſonſt immer zuſammen? Sie nannte den Prinzen nicht.

Dem Tieferſchütterten verſagte die Antwort; doch er raffte ſeine Kraft zuſammen und ſagte mit herzinniger Liebe: Er wird bald kommen; er wird dich aufſuchen, Thekla; er war verwundet, hat lange krank gelegen, doch nun iſt er hergeſtellt!

Thekla nickte leiſe zu des Bruders Worten. Er ſah ſie erwartend an. Sie ſchwieg einige Augenblicke; dann brach ſie in Thränen aus und rief:Warum haben ſie ihn denn begraben? Sie haben ihn ja in die ſchwarze Decke ge⸗ hüllt und in den Sarg gelegt! Du mußt das Blut abwaſchen! Sie ſchauerte zuſammen, als ſchüttle ſie ein Fieberfroſt..

Er lebt ja, er lebt! betheuerte Heinrich und küßte ſie, faſt einbrechend unter dem Schmerz.

Sie erwiderte nichts; zitternd ſank ſie in dem Arm des