Teil eines Werkes 
5. Band, 1. Abtheilung (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

17 Fichtenwalde, um etwa Schnauben oder Stampfen von Pferden zu vernehmen.

Die Hornſtöße erneuten ſich; auch die Antwort des Thürmers ließ ſich hören. Eliſabeth's Herz pochte in ban⸗ ger Erwartung, denn ſie erwartete zu gewichtige Botſchaft und ihre Sehnſucht nach Kunde von Thurn und ihrem Sohn war in dieſer kummervollen Einſamkeit aufs höchſte geſtiegen.

Da ließen ſich Schritte von fernher auf dem Gang ver⸗ nehmen; ſie kamen näher. Das Klirren der Sporen und Waffen verrieth einen Kriegsmann. Haſtig eilte Eliſabeth der Thür zu, öffnete ſie, und mit dem Ausruf:Mutter! lag ihr Sohn in ihren Armen! Seine jugendliche Kraft preßte ſie mit feuriger Liebe an ſein Herz. Sie vergoß wieder Thränen, in die ſich Tropfen heiligen Mutterglücks mit denen der bitterſten Schmerzen miſchten.

Meine theure Mutter! Wie biſt du bleich geworden, wie abgehärmt! Richte dein Herz auf! Wir haben ja noch Kraft im Arm und im Herzen, ſagte er muthig und feurig;wir können und müſſen uns wieder glücklichere Tage erkämpfen!

So fühlt die Jugend, die von keiner Schwere des Ge⸗ ſchickes gebeugt wird. So hatte Heinrich Thurn auch gehandelt. An der Spitze einer tapfren Schaar, die er zu⸗ ſammengerafft, hatte er ſelbſtändig gefochten, ſich nur mit den Waffen in der Hand aus Böhmen nach Schleſien zurückgezogen.*) Er mußte endlich der Ueberzahl der kai⸗ ſerlichen Truppen weichen, und war mit dem Ueberreſt der Seinigen gleichzeitig mit ſeinem Vater in Breslau angelangt. Von dort hatte dieſer ihn jetzt zur Mutter geſandt, um ihr

*) Hiſtoriſch.