Teil eines Werkes 
5. Band, 1. Abtheilung (1858)
Entstehung
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glücklichen Jahren ihre Tage in tiefer Einſamkeit zugebracht hatte, um den Unruhen der Kämpfe entfernt zu bleiben: ſo ſchwer war ihr noch kein Aufenthalt geworden als dieſer jetzige. Bilder der Vergangenheit und Ahnungen der Zu⸗ kunft ſchwebten durch ihre bang bewegte Seele. Sie ver⸗ glich das Jetzt mit dem Damals, den einſamen Tagen auf Schloß Sperlingsſtein, auf Karlsſtein. O wie viel ſchwerer laſtete das Heute auf ihr! Damals ſchwankte ihre Stimmung zwiſchen Sorge und Hoffnung; jetzt war die letzte bis auf ein kaum glimmendes Fünkchen in ihrem Leben erloſchen! Damals war ſie begleitet von Thereſen, dieſer verſtändigen, muthigen, liebevollen Freundin, und Thekla weilte in blühender Jugendfriſche ihr zur Seite! Jetzt war Thereſe fern, in der Stadt voll Unheil und Grauen, abgeſchnitten jegliche Kunde von ihr. Und Thekla, ach, ſie war noch ferner! Eine noch weitere, ſchauerlichere Kluft trennte die Tochter von der Mutter! Denn nur ein⸗

zelne ungewiſſe Lichtblicke des Bewußtſeins ſchimmerten in

die Nacht der fieberiſchen Träume! Und mit jedem Tage wurde der, von dieſen ſtummen Schmerzen der Seele ge⸗ folterte Körper ſchwächer. Schon war das holde, blühende Kind einem geiſterhaften Schatten ähnlich, der bleich und ſtumm über die Erde hinzog!

Thekla lag auf einem Ruhebette hinter Vorhängen, wäh⸗ rend ihre Mutter in demſelben Gemach aus dem Erker die Blicke in das Thal hinunterſandte, um den Boten, auf den ſie hoffte, ſo früh als möglich zu erſpähen. Bisweilen war die Möglichkeit gewährt, den Weg zur Burg ſchon in einiger Ferne, ſelbſt unten im Thal zu über⸗ ſchauen, da das Schneegeſtöber aufhörte und eine winter⸗ liche Klarheit der Landſchaft eintrat. Dann haftete das Auge Eliſabeth's deſto angeſtrengter auf der Straße, woher