Teil eines Werkes 
5. Band, 1. Abtheilung (1858)
Entstehung
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Daß ich toll wäre! Ich zitterte an Händen und Füßen, und ſchlug ein Kreuz, und betete ein Paternoſter.

Und wo blieb das Geſpenſt?

Es verſchwand im Thurm, mitten in der Mauer! verſicherte Guntram.

Unmöglich; die Mauer läuft ja hinterm Thurm herum!

Es war wie ich ſage! beharrte Guntram.Sowie das Geſpenſt in den Schatten des Thurmes eintrat, ver⸗ ſchwand es ganz.

Du haſt dich geirrt! Wer weiß was das geweſen iſt, ſagte Wolf kopfſchüttelnd.

Ein Schneemann! ſpöttelte Winfried vor ſich hin.

Und was ſollte die Erſcheinung bedeuten? fragte Wolf.

Etwas Gutes gewiß nicht! antwortete Guntram. In jetzigen ſchweren Zeiten, wo ſollte auch das Gute her⸗ kommen! ſeufzte er.Wenn ſich nur der Mönch nicht auch ſehen läßt!

Der Mönch? fragte Wolf.

Nun freilich! Er ſpukt ja auch im Schloß!

Welcher Mönch denn? drang Winfried ungeduldig in den Alten. 3

Ihr ſeid ja doch ungläubig, wehrte Guntram die Auskunft ab.Ihr habt ja ſchon zuvor über die Geſchichte von dem Wolf, der das Lamm fraß, geſpottet. Doch ich ſage euch, der Mönch, der dem Urgroßvater unſeres Grafen die traurige Endſchaft geweiſſagt hat, iſt damals nicht zum letzten male im Schloß geweſen! Er hat ſich öfters wieder gezeigt. Und wenn er kommt, hat es alle⸗ mal einen Todesfall in der gräflichen Familie zu bedeuten. Wer ihn ſieht, dem bedeutet es auch Unheil!

Du glaubſt an alle Geſpenſtergeſchichten, Alter! Wer hat ihn denn geſehen? Du? fragte Wolf.