Teil eines Werkes 
5. Band, 1. Abtheilung (1858)
Entstehung
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Werige Augenblicke nachher öffnete ſich die enge Stu⸗ benthür und ein Graubart, in den dichten Schafpelz wohl eingeknöpft, der alte Thurmwärter Guntram trat ein.

Hier iſt's freilich beſſer als oben auf der Zinne, ſagte der Alte, ſchüttelte ſich den Schnee aus Haar, Mütze und Pelz, und hing ſein Signalhorn an die Wand.Für heut iſt mein Tagewerk droben abgethan. Es wird zu finſter. Ich ſehe keine dreißig Schritt mehr über den Burg⸗ graben hinaus. Und wenn der Kaiſer käme, er müßte war⸗ ten an der Zugbrücke, bis wir ſein Signal hören!

Trink einen Schluck, Alter, ſagte Winfried und reichte ihm einen weitgebauchten zinnernen Trinktopf hin;die alte Barbara hat ihrem Freund Wolf ein warmes Honig⸗ bier gekocht, das der Kaiſer trinken könnte, wenn er, wie du ſagſt, etwa noch heut an der Burg vorſpräche. Ja, zieh' nur das Maul, Wolf, fuhr er gegen den Dritten fort, der mit der Zange im Feuer ſtöberte, und bei Winfried's Worten ein verdrießliches Geſicht ſchnitt;du biſt doch im⸗ mer um ihre Schürze herum, und....

Du ſchnatterſt wie die Mädchen am Spinnrade, ſiel ihm Wolf, des Grafen Büchſenſpanner, ärgerlich ins Wort.

Laßt's gut ſein, ſagte Guntram, der eben einen zwei⸗ ten Zug aus der Kanne gethan hatte,ſie iſt eine brave Alte, und eine brave Köchin. Das Bier wärmt und ſtärkt mich herrlich! Ich hatte es nöthig, bei meinem Schutzpatron; man friert durch, bis ins Mark der Knochen, da oben! Und mir war ohnehin nicht recht wohl zu Muthe!

Wie ſo? Seid Ihr krank? fragte Wolf.

Nicht krank; aber ich habe eine ſchlechte Nacht gehabt!

Er ſchüttelte ſich, ſchlug ein Kreuz und murmelte: Vewahre mich in Gnaden, Mein Schutzpatron, vor Schaden!