Teil eines Werkes 
4. Band, 2. Abtheilung (1858)
Entstehung
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Ja für euch, ſagte Kaspar mühſam und ſtützte ſich ſchwankend auf ſein Schwertbetet um ſeine Barm⸗ herzigkeit für mich! Die letzten Worte erſtarben ihm lal⸗ lend auf der Lippe.

Gott! Ihr blutet, rief Thereſe, riß ſich aus Xaver's Armen, eilte auf Kaspar zu und ſtützte den Schwankenden.

Auch Lippach war ihm zu Hülfe gekommen und umfaßte ihn.Freund! Nein, das wolle Gott nicht, ſtammelte er, indem er fühlte, daß der Verwundete unter ihm zu⸗ ſammenbrach.

Es wird wol genug ſein, ſagte Kaspar und ſank zwiſchen Beiden in die Knie. Sie ließen ihn ſanft zu Boden gleiten.

Das Entſetzen der Gemüther war urplötzlich in die tiefſte erſchütterndſte Wehmuth verwandelt. Alle umringten den Sterbenden, den Getreuen, den Retter! Keiner ver⸗ mochte den Schmerz, der die Seele zerreißen wollte, zu hemmen; in Schluchzen und Thränen knieten ſie um ihn und hielten ihn umfaßt. Er ruhte mit dem wilden Haupt am Herzen der knienden Thereſe; Lippach hielt ſeine er⸗ kaltende Hand in ſeinen beiden. Xaver und Wolodna wa⸗ ren, ſeine Lage erleichternd, um ihn geſchäftig.

Tragt ihn auf ein Bett! hauchte Thereſe, kaum des Wortes mächtig.

Xaver und Wolodna hoben ihn ſanft empor. Sie trugen ihn in Lippach's Gemach auf deſſen Bett. Sie öffneten ihm das Wams. Das dunkle Blut quoll aus ſeiner Bruſt; Agathe ſuchte vergeblich es mit Tüchern zu ſtillen; das Antlitz des Sterbenden wurde immer bleicher und bleicher, aber auch milder und milder. Er drückte ſeine Rechte fortdauernd auf das Herz, als wolle er damit den Schmerz dämpfen. Nur das Schluchzen der Frauen unterbrach die Grabesſtille.