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Lippach ſtand tief bewegt ihm zu Häupten. Kaspar's Augen hefteten ſich auf ihn; der Pfarrer las eine heiße Sehn⸗ ſucht und Bitte darin. Er ſprach ſanfte Worte des Segens und der Verheißung zu dem Sterbenden. Sie beruhigten, ſie erquickten ihn, führten ihm noch einen Anflug von Lebens⸗ kraft zurück. Er richtete das Haupt ein wenig auf. Thereſe unterſtützte es mit der Hand. Agathe kniete bleich weinend neben ſeinem Lager.
„Euer Vater“, ſagte er, ſie anblickend, mit matter Stimme, „grüßt Euch—— Margarethe“— er ſtockte und ſammelte Kraft,„iſt im Kloſter— der Urſulinerinnen!“
Ein Strom von Thränen rann über das bleiche Antlitz des Mädchens bei dieſer Kunde von dem Vater und der Freundin. Sie ergriff in frommer Demuth und Dankbar⸗ keit die rauhe Hand des Kriegsmannes und drückte einen heißen Kuß darauf.
Es war, als ob dieſes Liebeszeichen der unſchuldigen Seele ihn im Innerſten erqnickte.— Bald aber wechſelte der Ausdruck ſeiner Züge. Unruhig wandte er von neuem das Auge zu dem Pfarrer; dieſer, von frommer Zuverſicht durch⸗ drungen, legte ihm die Hand auf das Haupt und ſagte aus innerſter Glaubenskraft: 8
„Du wirſt eingehen zu ſeinem Frieden!“
Wie ein ſeliger Anhauch ſchwebte es über Kaspar's Züge, als dieſe Worte in ſein Herz drangen. Sanft drückte er das Tuch, das Agathe noch immer über ſeine Wunden hielt, zur Seite, faltete beide Hände über der Bruſt und betete mit letzter Kraft der ſterbenden Stimme:
„ Gott ſei mir Sünder gnädig!“ Haupt und Arme ſan⸗ ken zurück. Der Hauch des Lebens war entflohen.
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Druck von F. A. Brockhaus in Leipzig.
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