Teil eines Werkes 
4. Band, 2. Abtheilung (1858)
Entstehung
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Das Frühmahl, zu welchem Thereſe in allen häuslichen Geſchäften hülfreich den Tiſch gedeckt hatte, verſammelte bald darauf die ſämmtlichen Hausgenoſſen in einem grö⸗ ßern, nach dem Hofe gelegenen Gemach. Alle traten mit ernſten, bekümmerten Mienen ein, denn Jeden drückte Sorge und Gram. Am bemitleidenswertheſten war die unglückliche Agathe. Sie ſchwebte leiſe herein. Das blühende Mäd⸗ chen war in den wenigen Tagen zu einer blaſſen, geiſter⸗ artigen Geſtalt geworden. Seit ihrer Flucht hatte ſie von ihrem Vater nichts vernommen, als am Abend zuvor durch Kaspar's Ausforſchungen die Gewißheit, daß er im Weißen Thurm des Hraͤdſchins gefangen ſitze. Zu ihrem Schmerz quälte ſie ſich noch mit Vorwürfen, daß ſie ihn verlaſſen habe, obgleich ſie auf ſein eigenes dringendes Gebot gehandelt hatte. Die geretteten Briefe des Königs, die ſie Lippach übergeben, waren ihr einziger Troſt dafür. Von Margarethen wußte ſie, ſeit ſie auf der Flucht aus⸗ einander gekommen waren, nichts. Kaspar hatte das Haus umſchlichen, es war geſperrt; Lanzenknechte, die einander ab⸗ löſten und ſelbſt von nichts wußten, ſtanden Schildwache davor. So ſchwebte Agathe in ſchauerlicher Ungewißheit über das Schickſal ihrer Halbſchweſter, deren muthig aufopfernde That ſie gar nicht einmal kannte.

Auf Kaspar's Nachricht, daß ihr Vater zuverläſſig im Weißen Thurm in Haft ſitze, hatte ſie ein kleines Zettelchen an ihn geſchrieben, das nur die Worte enthielt:Ich bin in Sicherheit, gib mir Nachricht.

Kaspar hatte ihr Hoffnung gemacht, er werde das Blätt⸗ chen in die Hände des Gefangenen ſchaffen und ſeine Antwort ſpäter empfangen können. Dieſer hoffnungsvolle Dämmer⸗ ſchein war es allein, der mit ſeinem ſchwachen Lichtſtrahl ihre Zukunft erhellte.