Ueunundzwanzigſtes Capitel.
In des Pfarrers Lippach Hauſe herrſchte die Liebe, der Friede des Gewiſſens, aber doch zugleich der Schmerz und die bängſte Sorge.
Eine Woche war verfloſſen, ſeit die Bedrängten dort eine Zuflucht gefunden hatten. Ihre Gegenwart wurde ſtreng geheim gehalten, da Alle, in verſchiedener Art, ſchwere Befürchtungen hegen mußten.
Xaver und Wolodna hatten ohnehin im Hauſe ver⸗ weilen müſſen, da ihre Wunden ihnen noch nicht geſtatteten, auszugehen. Der Einzige, welcher das Haus verließ, war Kaspar Schwarz, obgleich er, wenn er entdeckt wurde, ſo gut wie vogelfrei war. Nicht nur, daß er als Ueberläufer, falls man ihn ergriff, ohne weiteres gehangen wurde, ſo hatte er auch den erbittertſten perſönlichen Feind an Za⸗ loska; und Pater Thyßka würde ihm die Strafe für den regensburger Streich nicht geſchenkt haben! Vor ihnen mußte er auf der äußerſten Hut ſein. Doch der kühne Geſell mit ſeiner wilden Natur, und in dem feſten Vorſatz, der neuen Bahn, die er verfolgte, der Sache, welcher er ſich zugewandt, und der Erkenntniß, die er gewonnen, treu zu bleiben, fürchtete nichts.— Er war ſo ſchlau als verwegen. Als Soldat blieb er gekleidet, doch hatte er es ſo eingerichtet, daß Niemand ſagen konnte, welcher Truppe er angehöre. Der Krieg mit ſeinen Märſchen, Lagern, Ge⸗ fechten hatte freilich auch in dem ganzen Heere längſt eine Willkür der Trachten eingeführt, bei welcher nur der Be⸗ darf des Augenblicks entſchied. Kaum, daß die Feldabzeichen


