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„Sie bliebe uns doch verpfändet!“
„Das ſoll ſie auch; nur jetzt keine Entſcheidung, damit die Schuldigen ſich der Hoffnung getröſten, Beſitz, Freiheit und Leben durch ſtilles Verhalten zu ſichern!“
„Es müßte alſo, meint Ihr, für jetzt gar nichts gegen die Strafbaren geſchehen?“
„Nicht mehr wenigſtens, als Herzog Maximilian ſehr weiſe vorläufig angeordnet hat— freilich nur, weil er ſich nicht vorgreifenden Rechts anmaßen wollte!— Die Häupter müſſen ſorgſam überwacht werden; Keinem darf die Flucht möglich ſein, doch Keiner erfahre, ob und wie über ſein Verhalten gerichtet werden wird. Sind dann Wochen, vielleicht Monate verſtrichen, ſo können wir, je nachdem die Angelegenheiten im Großen, Krieg und Kampf ſich entſcheiden, ohne Nachtheil mit Wirkſamkeit thun, was die Pflicht gebietet; auch Güte und Gnade ohne Gefähr⸗ dung unſerer Sache üben. Auch träfe uns nicht der An⸗ ſchein, im Zorn zu handeln, ſondern mit beſonnener Ruhe; nicht nach Leidenſchaft und Willkür, ſondern nach Geſetz und Recht.“
„Das freilich iſt unſere Pflicht“, ergänzte der Kaiſer ſehr ernſt.— Er ſchwieg.
Lamormain's Auge haftete mit Spannung. an ſeinen Zügen, die ſchwere Sorge ausdrückten. Endlich begann der Kaiſer wieder:„Ehrwürdiger Vater! In meiner Seele iſt es noch unklar. Wenn Ihr die Verantwortung auf Euch nehmt, ſo will ich Eurem Rathe folgen.“
„Ich übernehme ſie“, antwortete Lamormain feierlich.
„Wir müſſen noch weiter davon ſprechen“, ſagte Fer⸗ dinand unruhig und entließ ihn.
Lamormain verabſchiedete ſich in tiefſter Ehrerbietung.


