Teil eines Werkes 
4. Band, 2. Abtheilung (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

16

Thereſe, die ſich verloren geben mußte, wenn ſie ihn nicht in dem Grauen vor einer höhern Gewalt erhielt, ſchritt langſam feierlich näher. Der Kriegsmann, bebend, entſetzt, ſtarrte ſie an.

Vergib mir mein Verbrechen, rief er zitternd,ich habe ja ſchwer gebüßt! Was willſt du hier?

Der Anruf war Thereſen ſelbſt ſchauerlich räthſelhaft; ſie zitterte, weil der Krieger nicht flüchtete. Noch einen Schritt trat ſie näher und ließ die vollen Strahlen des Lichtes auf ihn fallen. Da ſah ſie ein Geſicht, das ihr verworrene Erinnerungen hervorrief; ſie kannte dieſen Mann, doch wußte ſie nicht, wo ſie ihm begegnet war. Eine dunkle, furchtbare Ahnung durchzitterte ſie. Sie fühlte, daß ſie ihre ganze geiſtige Kraft zu Hülfe nehmen müſſe, um ihn in der Furcht und Ehrfurcht zu erhalten, die ihn ergriffen hatte. Haſt du bereut, ſo iſt dir vergeben, ſagte ſie feierlich.

In abgebrochenen, verworrenen Sätzen, die er mit klap⸗ pernden Zähnen herausſtieß, antwortete er:SJa, ja, ich bereue, ich bereue, ja ich bin ein armer Teufel von Sün⸗ der! Gedenkt mir's nicht, daß ich.... der Soldat iſt einmal ſo wild! Alle guten Geiſter loben ihren Meiſter!

Thereſe empfand, daß ſie den Unglücklichen nicht länger durch Geiſterfurcht täuſchen könne; ſie entſchloß ſich muthig zur Wahrheit.Ich bin kein Geiſt, ſagte ſie,aber die Gnade Gottes umwebt mich; ich brachte dir Hülfe, ich kann dir Rettung bringen. Wer biſt du? Nenne dich!

Ach du Gebenedeite! rief er, noch halb irre im Geiſter⸗ ſchauer.Ein armer Teufel von Reiter, Kaspar Schwarz....

Ein lauter Ausruf der Freude Thereſens unterbrach ihn. Kaspar Schwarz, der Retter ihres Vaters! Doch zu⸗ gleich zerriß ſich, wie durch einen Blitz, der Schleier der Vergangenheit und ihre Erinnerung ſtand klar vor ihr. Sie