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geſtrengter Kraft überwindend, indem ſie den Mantel wieder überbreitete:„Unglückſeliger, den der Tod mit ſo furchtbarem Griff aus dem Leben geriſſen! Auf dieſer Lippe ſchwebte kein Gebet beim letzten Athemzug!“——
Sie hatte jetzt den ganzen Theil des Schlachtfeldes zwiſchen Sanct⸗Margarethen und dem Stern, wo ihr Vater an der Seite des jungen Grafen Thurn gefochten hatte, durchwandert, jeden der ſtarr daliegenden Körper angeleuch⸗ tet, doch Wolodna nicht gefunden!—„Das war ver⸗ gebens! Doch meine Pflicht iſt noch nicht erfüllt!“ ſagte ſie zu ſich ſelbſt und ſchritt weiter, der Gegend zu, wo Javer unter den Todten liegen konnte. Keine Furcht kam in ihre hohe Seele. Mit dem Irdiſchen hatte ſie abgeſchloſſen; dem Jenſeits wandte ſie ſich gläubig und hoffend zu.
„Ach, nur die Unſrigen bedecken das Feld!“ ſeufzte ſie vor ſich hin, indem ſie die Waffen und Trachten der Ge⸗ fallenen anleuchtete.„Du dort oben“, wandte ſie Augen und Gedanken aufwärts,„o du zürnſt uns mit Recht, zeigſt uns deine finſter umwölkte Stirn und läſſeſt deine Stürme über unſerem Haupte dahinbrauſen! Dennoch hoffe ich auf deine Gnade; ſie leuchtet ſanft in jenen blinkenden Sternen, die durch das zerriſſene Gewölk ſchimmern! Fern, fern,— aber gewiß und ewig!“
Eine Regenſchlucht, etwas über Mannestiefe, hemmte ihre Schritte. Der Rand war ſteil; ſie mußte vorſichtig hinabſteigen. Dennoch glitt ihr Fuß aus auf dem ſchlüpf⸗ rigen Schnee; aber ſie hielt ſich aufrecht und erreichte den Grund, ohne zu ſtraucheln. Doch ſchaudernd zog ſie den Fuß zurück; ſie war auf einen menſchlichen Körper getre⸗ ten!— Horch! Ein leiſer, ſeufzender Laut ließ ſich verneh⸗ men. Sie leuchtete hinab. Ein jugendliches Antlitz lag zu ihren Füßen,— die Lippe zuckte, das Augenlid be⸗


