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Antlitz Vieler ſtarrte mit grauenhaft offenen Augen nach oben, die Züge verzerrt vom furchtbaren Todeskampf. Der Mondſtrahl blinkte in den erloſchenen Augen, er glänzte zurück von den Reihen der im Schmerzenskrampf verbiſſe⸗ nen Zähne.
Thereſens tief verhüllte Geſtalt wanderte zwiſchen den Leichnamen hin. Sie ließ den Schein ihrer Leuchte auf das Antlitz der Erſtarrten fallen. Die Lebenden waren, wie in der Stadt, ſo auch draußen in den feindlichen Lagergruppen ſcheu vor ihr gewichen, wie vor einer Geiſtergeſtalt; keine Schildwache hatte einen Anruf gewagt. Die Todten blickten ſtarr zu ihr auf mit ihrem verſteinerten Antlitz und riefen ſie grauſig an mit ſtummer Lippe. Angſtvoll, doch uner⸗ ſchrocken, forſchte das ſpähende Auge, ob ſie unter den ver⸗ zerrten Larven die geliebten Züge eines der Ihrigen wieder⸗ finde! Breite Wunden malten das Gräßliche in die ſchauer⸗ liche Erſtarrung. Dieſem klaffte der Schädel weit auseinander und das bleiche Hirn leuchtete hervorgedrungen im Mondes⸗ ſtrahl; Jenem umgquoll das erſtarrte Blut die geſpaltenen Glieder, oder deckte in breiter, geronnener Strömung An⸗ geſicht und Bruſt.
„Ha! dieſer Mantel!“ rief Thereſe unwillkürlich, ton⸗ los zitternd, und heftete das Auge wie gebannt auf einen braunen pelzverbrämten Mantel, wie Wolodna ihn trug. Er bedeckte, vom Winde übergeſchlagen, Haupt und Ober⸗ leib des Todten. Mit bebender Hand hob ſie die Hülle. Entſetzt fuhr ſie zurück. Sie erblickte ein grauenhaft ver⸗ zerrtes Antlitz, einen von der Qual zuſammengekrümmten Körper; die Hände hatten ſich im wüthenden Schmerz in das Haar gekrallt. Das Weiße des Auges ſtarrte ihr, gegen den Mond gerichtet, gräßlich entgegen.
„Unglückſeliger!“ ſagte ſie, ihren Schauder mit an⸗


