Teil eines Werkes 
4. Band, 2. Abtheilung (1858)
Entstehung
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um ihn her; und von neuem Muth erfüllt zogen ſie die Schwerter und umringten den muthentflammten Jüngling.

Auf denn, zu Pferd, wer noch ein Roß hat! rief Thurn.Auf dem Platz vor dem Schloſſe ſammeln wir uns!

Dorthin ſprengte er mit ſeinen Getreuen. Ein neuer Hoffnungsſtrahl belebte die Entmuthigten. Sie hatten einen Führer gefunden, einen Sammelplatz für ihre Kräfte. Einer rief es dem Andern zu. Die Pferde wurden gezäumt. Das Fußvolk ergriff die Musketen, die Lanzen. Bald drängte die ganze Strömung der dichten Maſſen dem Schloß auf dem Hradſchin zu.

Achtzehntes Capitel.

Draußen vor den Mauern Prags breitete ſich der Mantel der Nacht über das Gefilde des Todes. Mit hoh⸗ lem Sauſen zog der Wind über das kahle Feld. Der Mond ſäumte das ſturmgetriebene Gewölk mit bleichen Rändern; ſeine Schatten ſchwebten in ſcheuer Flucht über die Erde, als bebten ſie vor den Schrecken, die ſich auf ihren dunklen Tiefen lagerten.

Stöhnen und leiſes Wimmern der Verwundeten miſchte und verlor ſich mit dem Windgeräuſch. Todte bedeckten weithin die Ebene. Sie lagen vom Schmerz in ſich ſelbſt gekrümmt, mit den Händen krampfhaft in den Boden ge⸗ graben, oder ſtarr hingeſtreckt in ihrer Erzhülle. Das bleiche