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„Die Engel Gottes breiten Fittiche aus überall— und ich ſelbſt verlaſſe mich nicht!“ antwortete ſie mit edlem Stolz und legte die Rechte an den Dolch, den ſie im Gür⸗ tel trug.
„Du willſt das Schlachtfeld durchirren— in Nacht und Sturm?“
„Nicht zum erſten mal ſucht ſich mein Fuß den Pfad durch Leichen; mein Auge durchdringt die Schwärze der Mitternacht, und— rauhere Stürme als die, welche über das Schlachtfeld wehen, haben uns gefaßt!“ ſetzte ſie finſter hinzu.—„Wo war Euer letzter Kampf? Wo verſchwand kaver? Das ſagt mir, wenn Ihr könnt!“
„Vor Sanct⸗Margarethen, gegen den Stern hin, fochten wir;— Xaver weiter unten am Abhange nach Ruſſin“, gab ihr Thurn Auskunft.
„Ich danke Euch. Lebt wohl!“
„Bleib noch“, bat er und hielt ihre Hand.„Wo finde ich meinen Vater? Weißt du das?“
„Nicht mehr in Prag!“
„Allmächtiger Gott! Nicht hier?“
„Ihr ſeid der Einzige aus dem Hauſe Thurn, der noch in dieſen Mauern weilt.“ 3
„Die Mutter,— Thekla?“
„Sie ſind auf der Flucht! Verlaſſen iſt die Schwelle— offen ſteht die Pforte— verödet ſind die Gemächer!“
„Heiliger Gott! Und auch der Vater?“ rief der Jüng⸗ ling ſchmerzvoll aus.
„Der König flüchtet,— weggeworfen iſt das Schwert! Prag iſt ſeinem Geſchick überlaſſen!“
„Wie? Wir ſollten die Stadt nicht vertheidigen? Dieſe feſten Mauern mit dieſen Kriegerſchaaren!“ Er blickte um ſich


