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emporgehobenen Leuchte traf ſein Angeſicht. In demſelben Augenblick rief die Verhüllte mit herzdurchdringendem Laut: „Graf Thurn!“ und Thereſe hing in ſeinen Armen.
„Thereſe— du hier!“ rief er voller Staunen, über ſie herabgebeugt, indem er ſie feſt an ſich zog.„Was führt dich hierher mitten in das kriegeriſche Getümmel?“
„Die untrügliche Stimme meines Herzens“, rief ſie aus und blickte ſchwärmeriſch zu ihm auf.„O ſie hat nicht ge⸗ logen— Einen hab' ich gefunden!“
Was ſoll das heißen? Wohin willſt du?“ fragte Thurn.
„Dort hinaus!“ antwortete ſie und deutete nach dem Thore.
„Unmöglich!“ rief Thurn.„Der Feind lagert dicht vor den Wällen. Jeder Ausgang iſt geſperrt!“
„Und wo fände ich meinen Gatten, meinen Vater, wenn ich ſie nicht dort ſuchte?“ ſagte Thereſe mit Hoheit und Entſchloſſenheit.
„Dein Vater— Xaver“, fragte Thurn beſtürzt—„du weißt nichts von ihnen— ſie ſind nicht in Prag?“
„Sie ſind dort, wo ich ſie ſuchen werde“, war Thereſens ſchmerzvolle Erwiderung.
„Ach, Thereſe! Xaver war mit dem Prinzen— ſind ſie Beide nicht zurückgekehrt?“ fragte Thurn bekümmert. „Und Wolodna— ich ſah ihn zuletzt im dichteſten Gedränge an meiner Seite, da.... ich ſtürzte beſinnungslos vom Pferde.... Dein Vater kann gerettet ſein wie ich!“
„Iſt er zu retten, ſo rette ich ihn“, antwortete Thereſe feierlich.„Dorthin geht mein Weg!“ ſagte ſie noch einmal und ließ Thurn's Hand los.
„Thereſe, es iſt unmöglich— du fällſt in die Hand der wilden Horden— du biſt verloren!“


