Teil eines Werkes 
4. Band, 2. Abtheilung (1858)
Entstehung
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freie Bahn gegen die Stadt zu gewinnen. Da erkannte eine Schildwache am Wachtfeuer, als der Wind dem Reiter den Mantel zurückwehte, die glänzende fremde Rüſtung, die den Führer verrieth. Der RufWer da! gebot Halt; doch Thurn, dem jetzt kein andres Mittel blieb als die ſchleu⸗ nigſte Flucht, drückte dem Pferde die Sporen ein, warf es herum, ſprengte mitten durch einen Kreis Gelagerter, über ſie hinweg in der Richtung nach den Wällen zu. Auf⸗ ſchrei des Schreckens, der Wuth, der laute RufVerrath! tönte ihm nach; die Schildwache, welche die brennende Lunte neben ſich hatte, that einen Schuß auf ihn; die Kugel fehlte. Andre, die ihm gleichfalls Schüſſe nach⸗ ſenden wollten, wurden bei der ſchwerfälligen Art des Ab⸗ feuerns nicht zeitig genug fertig; ſie hätten aufs Gerathewohl ins Dunkel feuern müſſen. So jagte Thurn unverletzt übers Feld; im wilden Ritt gegen den Sturm gelangte er glücklich ans Thor.

Den Musketieren auf dem Wall rief er in böhmiſcher Sprache zu:Feuert nicht! Der Schildwache im Thor nannte er ſeinen Namen. Da öffneten ſich ihm die Riegel, er fand Einlaß, bevor nachſetzende Feinde ihn erreicht hatten; das Thor ſchloß ſich hinter ihm er war ge⸗ rettet.

Jubelnd unringten ihn die böhmiſchen Rriege unter denen viele der Seinigen waren. Mit wild zudringlicher Freude wollte Jeder ſeine Hand faſſen, wenigſtens ſeinen Harniſch berühren. Er mußte ſich mühſam vorwärts kämpfen gegen die Stadt zu. Da wichen plötzlich die ihn Umrin⸗ genden auf beiden Seiten zurück, und halb vom entfernt herüberfallenden Schimmer der Wachtfeuer, halb vom blei⸗ chen Monde angeleuchtet, ſah er in der geöffneten Bahn vor ſich die dunkelverhüllte weibliche Geſtalt. Der Strahl ihrer