Teil eines Werkes 
4. Band, 2. Abtheilung (1858)
Entstehung
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Kaum ein Mann, in voller Kraft und bewaffnet, hätte ſich Bahn gemacht durch dieſe ehernen Wirbel.

Da ſchritt eine weibliche Geſtalt, in einen dunklen Man⸗ tel gehüllt, hohen Ganges, eine Leuchte in der linken Hand, auf den verworrenen Knäuel zu und begehrte freie Bahn. Oeffnet mir den Pfad, ſagte ſie mit ernſter Stimme und erhob gebietend die rechte Hand.

Ein Gefühl, gemiſcht aus Ehrfurcht und unheimlichem Schauer, berührte die Bruſt der Kriegsleute, als ſie die Geſtalt, einer Geiſtererſcheinung ähnlich, dunkel verhüllt, furchtlos auf ſich zuſchreiten ſahen. Zur Rechten und zur Linken wichen ſie zurück, ſoweit es der Raum zuließ, und einen Augenblick begrub eine tiefe Stille das dumpfe Ge⸗ räuſch. Selbſt die Führer blickten verwundert auf die ernſt Dahinſchreitende, die keinen Laut vernehmen ließ, ſondern ihres Pfades vorwärts ging, gleichwie mit gebieteriſcher Macht einer unabweisbaren Nothwendigkeit.

Während die Betroffenen ihr und dem flackernden Schimmer des Lichtes noch ſtumm nachblickten, erſcholl es plötzlich vom Thore her wie ein wilder Ausbruch des Jubels. Wer ſollte jubeln in dieſer Nacht des Unheils und des Grauens!

Dennoch war es ein Getümmel der Freude, das ſich erhob. Ein ritterlicher Führer, ohne Helm, dem das Haar auf beiden Schultern herabwallte, ritt auf einem ſchweren ſchwarzen Roß daher, und von allen Seiten umdrängten ihn Gewaffnete zu Fuß und zu Pferd, die ihm die Hände ent⸗ gegenſtreckten und ihn mit lautem Jubel begrüßten. Der düſterrothe Schimmer der Wachtfeuer und einiger von Neu⸗ gierigen erhobenen Brände beleuchtete dieſes Schauſpiel.

Es war Graf Heinrich Thurn, der, gefangen oder ver⸗ loren geglaubt, dennoch gerettet zurückkehrte vom Schlachtfelde.