Teil eines Werkes 
4. Band, 1. Abtheilung (1858)
Entstehung
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ſeine Flügel über mein Haupt breiten! Sorget nicht um mich!

Ihre Worte waren ein ſanftes, aber unwiderſtehliches Gebot, dem ſich Alle fügten. Sie wandte ſich halb ab⸗ wärts, und bedeckte ihre Augen mit der Hand. Ihre Thränen floſſen leiſe. Ein unbeſchreiblich ſchmerzenvolles Ach preßte ſie aus ihrer Bruſt. Raſch umgewendet ſtrecke ſie beide Hände nach Eliſabeth und Thekla aus und ſank überwältigt in ihre Arme. Das Uebermaß des Schmerzes erſtickte jedes Wort. Selbſt die Kraft des felſigen Thurn war gebrochen.

Kein Maß mißt die dunkle Tiefe dieſes Augenblicks.

Bereitet euch zur Abreiſe, brach endlich Thurn's Geheiß die beklemmenden Bande dieſes ſtummen Duldens.Unſere Minuten ſind gezählt. In dieſem Hauſe bleibt Keinem eine ſichre Stätte. Es wird das Ziel des Haſſes und der Rache ſein. Auch keiner unſerer Diener darf hier bleiben.

Eure Zuflucht, edle Frau, ſagte Lippach erſchüttert zu Thereſen,ſei mein Haus. Unter Gottes Obhut erwarten wir dort das Kommende!

Thereſe legte zuſagend ihre Hand in die ſeinige.

Die Nothwendigkeit drängte zur That.

Zwei haſtvolle Stunden waren entflohen. Was ſich an Wichtigem und Werthvollem fortſchaffen ließ, war zu⸗ ſammengerafft.

Komm denn meine Eliſabeth, ſagte Thurn, als Alles zur Flucht bereitet war, und reichte ihr den Arm. Wankend ging ſie an ſeiner Seite die Stiegen hinab, die ihr Fuß zum letzten male betreten ſollte. Lippach führte die bebende Thekla. Es ſanken den beiden Frauen faſt die Knie ein,