165
unter der Schwere des Geſchicks, das ſie aus der Heimat, von der Schwelle des häuslichen Beſitzes drängte.
An der Pforte ſtand Thereſe, ihren Säugling im Arm, den Mantel um ſich und ihn geſchlagen, gleichfalls bereit, das Haus, aus dem Alles entfloh, zu verlaſſen. Sie war ohne Vater, ohne Gatten, ohne Kunde von Beiden; nur der Knabe ſchlummerte an ihrem Herzen.
„O weckt ihn nicht!“ ſagte ſie bittend mit geiſterhaftem Hauch, als Eliſabeth und Thekla ſie zum letzten male um⸗ armen wollten. So empfing ſie nur noch einen leiſen, be⸗ benden Kuß von Beiden, in welchem das„Lebewohl“ auf der Lippe erſtarb.
Alle fühlten in düſtrer Ahnung, es war das letzte.
Ein Wagen nahm die Gräfin und Thekla und zwei Dienerinnen auf. Der Graf mit den männlichen Dienern ſetzte ſich zu Pferd.
Thereſe blickte ihnen lange nach, und horchte auf die verklingenden Hufſchläge und das dumpf verhallende Rollen des Wagens.
„Kommt auch Ihr jetzt“, ſprach endlich Lippach ſanft zu ihr und nahm ihren Arm.
Sie gingen ſtumm durch die ſchweigende Finſterniß.
Thurn's Haus ſtand verödet.
d


