„Gott im Himmel! Thurn!“ rief ſie, ſeine Worte nur halb faſſend.
„Wir haben Rath gehalten!“ fuhr er mit Bitterkeit fort.„Es iſt beſchloſſen worden, Alles zu verſenken, über Bord des Schiffs zu werfen, was wir unſer nannten! Hoffnung, Beſitz, Vaterland, Ehre!“
„Um Gottes Willen, ſo ſteht es mit uns“, rief die
Gräfin.
„Es könnte anders ſtehen!“ antwortete Thurn mit dem Ausdruck des tiefſten Seelenſchmerzes,„denn noch haben wir nichts verloren, was wir nicht wiedergewinnen könnten! Stand ich ſelbſt nicht drohender vor Wien, als Maximilian jetzt vor Prag?— Doch es iſt vorbei! Die Beſchlüſſe ſind gefaßt, das Haupt der Verzagten hat ſich unters Joch ge⸗ beugt! Jetzt bleibt uns keine andre Wahl, als, da das Ganze verloren gegeben iſt, unſer eigenes Haupt und Daſein zu retten, ſo weit wir vermögen!“
Thereſe war nüäher getreten und horchte mit fieberhafter Spannung in den Zügen; auch Lippach's Auge hing gefeſſelt an Thurn's Lippe.
„Der König“, fuhr Thurn düſter fort,„ließ um Waffen⸗ ſtillſtand nachſuchen auf vierundzwanzig Stunden, um zu unterhandeln. Nur ein wahnſinniger Gegner hätte dieſe Forderung gewähren können. Sie wurde abgeſchlagen. Herzog Maximilian geſtattet nur ſo viel Zeit der Waffenruhe, als er ſelbſt unerläßlich braucht für ſein gänzlich entkräf⸗ tetes Heer,— acht Stunden!*)— In dieſen acht Stunden konnten wir ihn vernichten!“ flammte Thurn im Eifer auf, „wenn wir alle Kräfte dieſer Stadt und des zerſplitterten Heeres zuſammenrafften! Draußen lagert er, vorm Reichs⸗
*) Hiſtoriſch.


