der Allmacht!— Dieſe volle Demüthigung war ſeine Erhe⸗ bung! Ein Hauch des Troſtes, der Gnade, erwachte in ſeiner Bruſt.„Wir werden unſer Geſchick erfüllen“, ſagte er zu ſich ſelbſt,„abſchließen mit der Erde, und den Blick auf das Jenſeits richten!“ So fand er die Kraft wieder, vor die Seinen hinzutreten als Tröſter, Schützer und Retter.
Er ſchritt durchs Gemach und öffnete leiſe die halb⸗ offene Thür vollends. Niemand ſah ihn. Thekla lag auf dem Ruhebett mit geſchloſſenen Augen; die Mutter ſaß zu ihren Häupten, liebend über ſie gebeugt.
Pfarrer Lippach ſtand zu den Füßen der Duldenden; er hatte die Bibel in der Hand und blickte mit frommer Rührung auf die jugendliche, erblaßte Geſtalt.
Im Hintergrunde des Gemachs ſtand Thereſe, regungslos, ſtumm nach oben blickend. Die rechte Hand hatte ſie auf einen mit einem dunklen Teppich behangenen Tiſch geſtützt, gegen den ſie ſich ſanft anlehnte; die Linke hielt ſie gegen die Stirn, als wolle ſie dem Haupt die Laſt der ſchweren Gedanken tragen helfen.
„Eliſabeth“, ſprach Thurn leiſe, weich.
Sie ſchreckte empor— ſie hing an ſeinem Herzen! Er hielt die einſinkende Geſtalt männlich, feſt umfangen.
„Eliſabeth“, ſagte er ſanft, aber mit feſter Stimme. „Lehne dich an mich, ich werde deine Stütze ſein. Ich fühle, daß Gottes Gnade mir Kraft gibt.“
Sie hatte keine Worte der Erwiderung; doch ihre Thränen floſſen lindernd an ſeinem Herzen.
Thekla ſandte einen verlangenden Blick aus den halb erloſchenen Augen hinüber zu ihrem Vater. Thurn trat zu ihr, beugte ſich über ſein theures Kind und küßte es auf die Stirn.


