„Der Pfarrer!“ ſprach Thurn vor ſich hin, und ging an dem Alten vorüber die Stiege hinauf.„Das bedeutet nichts Gutes“, dachte er.„Allein wie wäre auch etwas Gutes in dieſer Zeit des Schreckens zu erwarten!“
Die düſtere Nacht des Unheils war ringsher gelagert. Kein Hoffnungsſtern ſchimmerte hindurch.
Im ganzen Hauſe war es todesſtill; es ſchien, daß Niemand zu athmen wagte. Die Ampel, welche die Treppen⸗ flur erleuchtete, brannte im trüben Licht. Sonſt Alles tief nächtlich. Unwillkürlich leiſe auftretend ſchritt Thurn, als fürchte er dieſe Grabesſtille zu unterbrechen, oder einen ſchlum⸗ mernden Kranken zu wecken, über den Corridor hin, und öffnete behutſam die Thür des Vorgemachs. Aus der halb offenen Stubenthür, die in Eliſabeth's Zimmer führte, fiel ein matter Lichtſchein. Thurn vernahm eine männliche, murmelnde Stimme; es ergriff ihn ein Schauer und eine Wehmuth, die ſeine Knie zitternd machten. Er athmete tief; mit aller Kraft des Geiſtes ſuchte er Faſſung zu gewinnen. Da hörte er das leiſe tönende Wort„Mutter“ von den
Lippen ſeiner Thekla. Es klang wie die wehmuthvollſte
Bitte.
„O du mein gütiger Heiland“, ſeufzte er mit hinſter⸗ bendem Laut, den Blick noch oben gewandt, und Thränen unnennbaren Schmerzes erfüllten ſein Auge. Er erhob die Hände gen Himmel, drückte ſie gefaltet gegen ſeine Bruſt, und ſeine Seele ſandte ein Gebet zu Gott empor, deſſen Inhalt Worte nicht bezeichnen. Es war ein Augenblick der Demuth, der Zerknirſchung in dem thatenvollen Leben des ehernen Mannes, der Alles Gewaltige in ihm zerſchmolz wie weiches Wachs. Gottes Hand hatte ihn getroffen! Sein Flehen war Schmerz, Reue, Liebe, Hoffnung, Ver⸗ trauen, Alles in Einem! Er fühlte ſein Nichts, gegenüber
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