„Die Moldau?“ fragte Diewiß.„Seht Euch vor! Hier ſtürmte eben eine wilde Rotte vorbei, die ſie ſperren will, um den König nicht fortzulaſſen!“
„Seht ihr!“ ſagte Tharradel.„O hätte ich dieſe Mauern erſt hinter mir! Jede Minute kann das Leben koſten. Lebt wohl!“— FHaſtig eilte er fort und verſchwand im Dun⸗ kel.*)
Frühwein und Diewiß gingen weiter. Ihr Weg führte ſie über den großen Ring am Rathhauſe vorbei. Stumm ſchlichen ſie an den Häuſern der Südſeite hin.
„Sieh das Kriegsvolk, dort am Feuer unterm Rathhaus! Was treiben ſie denn da? Ich glaube, ſie ſpielen Aufhenkens!“ ſagte Frühwein zu Diewiß.
Dieſer ſchüttelte ſich wie im Fieber.
„Frierſt du, Diewiß?“
„Sa!“
„Die ſcheußlichen, wilden Kerle! Solche ruchloſe Toll— heiten zu treiben in dieſer Zeit des Jammers!“ ſagte Früh⸗ wein.„Was das für greuliche Fratzen ſind!“
Die wilde Rotte hatte einen der Ihrigen als Delin⸗ quenten an einen Pfahl gebunden; zwei Andere machten die Henkersknechte und ſchlangen ihm einen Strick um den Hals, an dem ſie ihn ſcheinbar aufhingen. Er verzerrte das Ge⸗ ſicht in gräßlichen Zuckungen. Der ganze Kreis brach in wieherndes Gelächter aus.
„Die blutigen verzerrten Geſichter in dem blutigen Feuer⸗ ſchein! Es iſt als ob ſie lebendige Teufel aus der Hölle wären“, ſagte Frühwein ſchauernd, indem er auf die Gruppe deutete.„Wie der Kerl die Augen verdreht! Man
*) Er flüchtete nach der Schweiz und ſtarb einige Jahre ſpäter zu Genf im Elend. 7*


