Teil eines Werkes 
4. Band, 1. Abtheilung (1858)
Entstehung
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Noch haben wir nicht feſten Fuß in Böhmen! er⸗ laubte ſich Thyßka mit bedenklichem Tone zu erwidern.

Aber ſchon manchen Fußpfad dahin gebahnt, antwortete Lamormain, indem er Thyßka freundlich auf die Schulter klopfte,und die heut eingetroffenen Nachrichten eröffnen uns eine breitere Straße! Ihr wißt noch nicht, fuhr er, da Thyßka ihn fragend anſah, fort,Ihr wißt noch nicht, daß der Kurfürſt von Sachſen in die Lauſitz eingerückt iſt?

Wirklich! Eingerückt! Iſt's möglich! rief Thyßka aus.

Am 20. Auguſt. Er ſteht ſchon vor Budiſſin!

Ich hätte es nimmermehr geglaubt! rief Thyßka.

Ich auch kaum, ſprach Lamormain ſpöttiſch.Aber dieſe Ketzer vertilgen Einer den Andern ſo erbittert wie die Raubhechte!

Freilich, der Lutheraner haßt den Calviniſten, pflichtete Thyßka ihm bei,allein bis zu dem Grade, daß der an⸗ geſehenſte lutheriſche Fürſt den angeſehenſten calviniſtiſchen bei einer allgemeinen Glaubensſache mit Krieg überziehen ſollte, ſtatt ihn zu vertheidigen, daß das mächtigſte Mitglied der proteſtantiſchen Union die Waffen ergreift gegen das Haupt derſelben das hätte ich nimmermehr geglaubt!

Es kommt nur darauf an, wie man das Ding an⸗ ſieht, erwiderte Lamormain mit ſeinem ſchärfſten Lächeln; wir haben den Herrn Kurfürſten auf den richtigen Stand⸗ punkt geſtellt. Er bekämpft nur den uſurpatoriſchen König von Böhmen, als guter Reichsfürſt und Vaſall des Kai⸗ ſers! Den Kurfürſten von der Pfalz wird er ſogar be⸗ ſchützen.... falls nicht dermaleinſt ſein Gewiſſen dem der Herr Hofprediger Hoe tagtäglich den vorlauten Mund öffnet ihm gebietet den calviniſtiſchen Antichriſten zu verſchlingen! Wir wollen ihn nicht daran hindern! Wozu

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