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Werk begonnen. Die Wahnerhitzten miſchten das ſchärfſte Kennzeichen der Seelenniedrigkeit, den Hohn und ſchnöden Spott in ihre Wuth. Mit lärmendem Getöſe riſſen ſie die Bilder der Heiligen herab und riefen:„Ihr Armen! Hat man euch doch ſtets gequält mit dem Geſchrei:«Betet für uns», nun ſollt ihr Ruhe haben.“*)
Thereſe ſchauderte— und erbleichte, als ſie dieſe ruch⸗ loſen Reden hörte.
Die Schreine der Reliquien wurden zertrümmert, der koſtbare, unerſetzliche, von Tauſenden verehrte Inhalt hinaus⸗ geſchleudert.
Viele Gläubige, die aus angſtvoller Beſtürzung, wie Thereſe und Wolodna, in die Kirche gedrungen waren, rafften die auf dem Boden verſtreuten Gegenſtände der Ver⸗ ehrung und Anbetung auf, um ſie zu bewahren. Die Scher⸗ gen entriſſen ſie ihnen und riefen:„Ihr ſollt euren Götzen⸗ dienſt nicht ferner üben!“
Die Frommen boten Gold, um die Kleinodien der Seele anzukaufen. Das reizte die Habgier der Zerſtörer. Doch Scultetus trat dazwiſchen und zürnte:„Wollet ihr die Hand bieten zur Fortdauer des Bilderdienſtes? Eure See⸗ len ſind auf ewig verloren, wenn ihr ſolchen Frevel begeht! Es ſoll kein Götzendinſt mehr geduldet werden! Erlöſchen für ewig ſollen dieſe brennenden Kerzen am Altar, aufhören das ſündige Kniebeugen, das Kreuzſchlagen, der Sang und Klingklang, und all das eitel ſinnliche Gepränge! Fort mit dem Geläut, das Tag und Nacht ſinnlos das Ohr betäubt! Nieder dort mit dem gottloſen Altarbilde, das der lutheri⸗ ſche Sünder gemalt und der katholiſche Aberglaube ſich nicht entblödet hat in ſeinem Götzentempel aufzuhängen! Gott
*.) Hiſtoriſch.


