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Wolodna folgte ihr. Bald waren ſie mitten in dem Strom der Menge, die zum Hradſchin hinaufeilte. Droben fanden
ſie die Schloßkirche von dichtem Gewimmel umgeben. Es
war nicht zu unterſcheiden, wer hier feindſelig oder wohl⸗ geſinnt war. Die Meiſten hatte die Neugier hinaufge⸗ trieben.
Thereſe drängte ſich durch die Menge. Wolodna folgte ihr, um ihr ſchützend zur Seite zu bleiben, nicht um, was unmöglich erſchien, dem begonnenen Frevel Einhalt zu thun. Gleichzeitig mit ihnen trafen Abtheilungen von Soldaten ein, welche die Kirche umſchloſſen und den Andrang des Volks abwehrten. Ein Augenblick ſpäter und ſie würden nicht mehr hineingedrungen ſein.
O wären ſie um dieſen Augenblick ſpäter gekommen! Ein Schauder und Empörung weckendes Schauſpiel wäre ihnen erſpart worden! Rohe Banden mit Aexten und Häm⸗ mern, Brechſtangen, Sägen, richteten, nach Scultetus' An⸗ ordnung, eine ſchauerliche Verwüſtung in dem heiligen, wundervoll majeſtätiſchen Gebäude an! Der ſtreng calvi⸗ niſtiſche Eiferer hatte ſeinen ganzen Zorn gegen die Heiligen⸗ bilder, die Crucifixe und alle andern Ausſchmückungen der Kirche ausgegoſſen!„Das Abendmahl!“ hatte er aus⸗ gerufen,„ſoll nicht mehr mit ſündigem Prunk genoſſen werden! Am einfachen Tiſche, wie der, an welchem der Herr ſaß, ſollt ihr es empfangen! Zertrümmern wollen wir die Götzenbilder, die Bilder ſündhafter Menſchen, die ihr als Heilige verehrt!“
Dieſe Worte fachten den fanatiſchen Eifer der Calvi⸗ niſten zur Flamme an. Und ob die rohe That den rohen Sinn aufſtachelte und ihm die Feſſeln jeder frommen Scheu abſtreifte, oder ob umgekehrt der rohe Sinn die rohere That gebar: mit taumelnder Zerſtörungswuth hatte das ruchloſe


